Wie kritisch ist Palladium
beim Zahnersatz?

Palladium in der zahntechnischen Versorgung

Es gibt unterschiedliche dentale Werkstoffe, die als kritisch in der zahnmedizinischen Versorgung gesehen werden. Dazu gehört auch Palladium. Warum Palladium im Fokus steht und warum es besser ist, als sein Ruf, erfahren Sie im Folgenden.








Wie es zur „Palladium-Diskussion“ kam

Vor mehr als 25 Jahren erschien in den Medien ein Beitrag von einem Patienten, der durch eine zahntechnische Versorgung mit Zahnmetall unerwünschte Nebenwirkungen erlitten hatte. Sehr schnell fiel der Medien-Fokus auf dentale Werkstoffe wie Palladium, Kupfer und Gallium, die als Verursacher der Nebenwirkungen galten. Folgende Nebenwirkungen wurden damals aufgeführt:

  • Entzündung der Schleimhaut
  • Verschlechterung neurotischer Zustände
  • Allergieauslöser
  • Chronical fatigue Syndrom (allgemeine Schwächezustände)

Diese Medienberichte trugen zu großer Verunsicherung zum Thema Palladium im Zahnersatz bei. Bedauerlicherweise stützen sich die meisten Medienberichte nicht auf wissenschaftlich fundierte Kenntnisse, weshalb es im Rahmen der „Palladium Diskussion“ zu der Forderung nach verträglicheren, palladiumfreien Legierungen kam.

Die Fakten zum Palladium

Bis heute lehnen manche Patienten und Zahnärzte seit Jahren bewährte Dentallegierungen ab, wenn diese Palladium enthalten.

Tatsache ist jedoch, dass die positiven Eigenschaften der hochgoldhaltigen Goldlegierungen wesentlich durch Palladium getragen werden. Denn Palladium trägt als Legierungszusatz zur Verbesserung der physikalischen Eigenschaften wie z.B. der Festigkeit bei. Desweiteren – und das ist besonders erwähnenswert – erhöht Palladium die Warmfestigkeit bei aufbrennfähigen Legierungen. Dentale Edelmetallgusswerkstoffe mit einem Mindestmaß an Warmfestigkeit sind nicht ohne Palladium herstellbar. [1]

Darüber hinaus ist Palladium in hohem Maße korrosionsstabil.

Tatsache ist auch, dass Auslöser für die Entzündungen der Schleimhäute nicht Palladium an sich, sondern dessen Legierungspartner Gallium und Kupfer in einer falsch verarbeiteten, silberfreien Palladium-Basis-Legierung, sind.

Weitere negative Folgen von Palladium im Mund konnten nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Die öffentliche Diskussion führte jedoch dazu, dass palladiumhaltige Legierungen vom Markt verschwanden, was zur Folge hatte, dass eine wesentliche Verschlechterung der Verarbeitungseigenschaften und zum Teil auch des Korrosionsverhaltens in Kauf genommen wurden.

Palladium nach wie vor gut biologisch verträglich

Palladium ist ein Edelmetall. Aus werkstoffkundlicher Sicht sind palladiumhaltige Legierungen:

  • hervorragend zu verarbeiten,
  • korrosionsstabil,
  • biologisch gut verträglich

Einzig palladiumfreie Legierungen nun als „Biolegierungen“ zu bezeichnen, würde bedeuten, dass die seit Jahrzehnten – nicht zuletzt auch wegen ihres Palladiumgehaltes bewährten und vor allem bezüglich ihrer biologischen Verträglichkeit hervorragenden – hochgoldhaltigen herkömmlichen Dentallegierungen nicht gut verträglich sind. Was aus wissenschaftlicher Sicht und der langer praktischer Erfahrung nicht zutrifft. So erfolgt beispielsweise in Japan mehr als die Hälfte der Edelmetall-Versorgungen mit Palladium-Basis-Legierungen – und die Japaner werden im Durchschnitt älter als die Deutschen.

Eine allseits bedenkenfreie „Biolegierung“ nur durch den Verzicht auf Palladium kann es also nicht geben, da zum einen die anwendbaren In-vitro-Tests nur eine beschränkte Aussagekraft haben und die genetische Prädisposition der Patienten – wie bei allen Legierungen – immer ein individuelles Restrisiko für Reaktionen birgt.

Mehr zu Thema Biolegierung erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.


[1] Hohmann; Ist eine Positivliste für Dentalgusswerkstoffe auf der Basis von Edelmetallen möglich?, zm 84, Nr. 2, 1994, S. 34-39

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