Arbeiten mit Mokume Gane: individuelle Trauringe

In unseren früheren Blogbeiträgen „Mokume Gane: der Unikatschmuck“ und „Die Herstellung der Mokume Gane“ wurde die faszinierende japanische Technik bereits näher erläutert. Nun geht es um den Umgang mit Mokume Gane bei der Schmuckherstellung. Dazu haben wir den Goldschmiedemeister und Spezialisten für Mokume Gane, Norbert Rentschler, interviewt. Seit 2005 fertigt er in seiner Werkstatt unterschiedlichste Schmuckstücke aus Mokume Gane an. Da speziell individuelle Trauringe eine große Nachfrage genießen, fragen wir ihn nach Tipps und Tricks bei der Anfertigung von Trauringen aus Mokume Gane.    

Herr Rentschler, was fasziniert Sie so an der Mokume Gane Technik?

Die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten von diversen Metallen. Mit unterschiedlichen Farben und Dicken der Legierungen entstehen neue Muster, die ganz individuell sind und nie einem vorhergehenden Modell gleichen.

Außerdem liegt mir das handwerkliche Arbeiten sehr am Herzen. Das Schmieden, wie es seit Jahrhunderten existiert, ist meine Leidenschaft. Ich schätze mich glücklich, meine Leidenschaft mit meinem Beruf verbinden zu können.     

Lohnt sich der Versuch, wenn man sich als Goldschmied noch nie mit Mokume Gane auseinandergesetzt hat? Und wie sollte man starten?

Wenn man seine Module/Schichtblöcke selbst herstellen möchte: Dann wird viel Mut zum Ausprobieren sowie viel Geduld verlangt. Außerdem ist die Kenntnis der Werkstoffkunde von Edelmetallen insbesondere die Gefügestruktur von großem Vorteil. Wie verhalten sich die unterschiedlichen Legierungen zueinander? Bei welcher Temperatur findet der Diffusionsprozess bei einzelnen Materialien statt? Wie lange behalte ich diese im Ofen?

Den Anfängern kann ich das Buch „Mokume Gane: Theorie und Praxis der japanischen Metallverbindungen“ von Steve Midgett sehr empfehlen. Es beinhaltet das notwendige Grundwissen.

Wenn man also den Spaß an der Sache hat, sich wirklich handwerklich und mental zu betätigen, kann ich Mokume Gane nur empfehlen! 

Für Goldschmiede, die sich nicht mit der Herstellung eigener Module/Schichtblöcke beschäftigen möchten, gibt es inzwischen gute Lösungen mit Mokume Gane Halbzeugen. Kostengünstig zum Ausprobieren sind dabei Silber-Kupfer Module oder schon fertige Walzprofile.    

Worauf muss man beim  Arbeiten mit Mokume Gane achten?

Bei der Herstellung von eigenen Modulen ist der richtige Ablauf das A und O: Erst einmal die Metallbleche, die zueinander passen zusammenpressen, vorschmieden, schweißen, abkühlen lassen, nachschmieden und walzen. Dazu genug Zeit einplanen. Denn wenn etwas schief geht, muss man von vorne beginnen.

Bei der Herstellung von eigenen Modulen ist der richtige Ablauf das A und O: Erst einmal die Metallbleche, die zueinander passen zusammenpressen, diffusionsschweißen, mehrfach vorsichtig schmieden und immer zwischenglühen, dann erst walzen. Dazu genug Zeit einplanen. Denn wenn etwas schief geht, muss man von vorne beginnen. 

Mokume Gane verarbeiten
Nobert Rentschler in seiner Mokume Gane Werkstatt
© www.mokumegane-werkstatt.de

Bei der Anfertigung der Schmuckstücke aus Mokume Gane Schichtblöcken ist das Glühen zwischendurch sehr wichtig, sodass bei der Umformung keine Risse entstehen.    

Und natürlich stets den Wunsch von Kunden im Blick behalten. Speziell bei der Schmuckherstellung aus Mokume Gane darf man den Kunden mit seinen Wünschen nicht ausschließen! Die Kunden kommen mit individuellen Ideen: von individuellen Trauringen bis hin zu Schlangen-Anhänger. Jeder Kunde hat seine eigene Vorstellung und Idee, wie sein Schmuck werden soll. Hierbei ist es entscheidend, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und auf ihre Wünsche einzugehen. Das schätzen die meisten und nehmen dafür dann z.T. auch die langen Anfahrten in Kauf.   


Wie lassen sich nun Trauringe aus Mokume Gane herstellen? Haben Sie Tipps und Tricks?

Es ist ein langer und komplexer Prozess. Ich versuche mich kurz und dennoch informativ zu fassen.

Nachdem die Wahl getroffen wurde, aus welchen Legierungen die Trauringe bestehen sollen und der Mokume Gane Schichtblock bereits vorliegt,  wird dieser durch Schmieden und Walzen zu einer Stange verformt.

Danach folgt das Tordieren: das Drehen der Stange um die eigene Achse. Es ist einer der wichtigsten Schritte, denn auf diese Art legt man das Muster fest. Es gibt unterschiedlichste Muster, zu den Bekanntesten zählen Sternenmuster oder Augenmuster.

Dann wird aus dieser tordierten Stange ein fugenloser geschmiedeter Ring hergestellt. Fugenlos wird als ein Zeichen für Dauerhaftigkeit gedeutet. Der Trick zum fugenlosen Ring liegt darin, dass ein Spalt in die Stange gesägt wird und die Öffnung durch Schmieden langsam, bis sie eine Ringform annimmt, geweitet wird.

Es folgt ein langer Prozess des Glühens und Schmiedens zu einem Ring. Ein Tipp hierzu: immer die Trauringe parallel schmieden, denn nur auf diese Weise kann man erreichen, dass am Ende sich die beiden Ringe nicht unterscheiden. Sobald die Ringe rund sind, werden Sie im letzten Schritt auf die Ringweite gestaucht.

Ist es erwünscht, dass das Muster auf der Außenfläche liegt, muss man „stülpen“. D.h. die Ringe erstmal zu einer Scheibe schmieden und das innere Muster nach außen bringen. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl und Geduld. Hier kann es passieren, dass ein Metall reißt. Um diesem entgegen zu wirken, ist das Glühen der Metalle sehr wichtig, denn so lassen sie sich leichter verformen. Wenn das Glühen nicht hilft, muss mit dem passenden Lot gelötet werden.

Trauringe aus Mokume Gane zu schmieden ist ein langer und komplexer Prozess.
© www.mokumegane-werkstatt.de

Wenn das Sternmuster gewünscht wird, muss man die Innenseite des aufgespaltenen Rings nach außen stülpen. Das verlangt Fingerspitzengefühl und Eile ist dabei kein guter Ratgeber. Und immer das Glühen nicht vergessen, damit die Metalle nicht überstrapaziert werden. Sollten sich trotzdem kleine Risse bilden, können diese mit einem guten Hartlot verlöten werden. Nachdem die Ringe fertig sind, kann man sie mit Diamanten oder einer Gravur versehen oder mit einem farblich passenden Ring verbinden. Da gibt es endlose Möglichkeiten!

Auf Ihrer Facebook-Seite posten Sie in letzter Zeit öfters Trauringe mit Totenköpfen. Ist es ein neuer Trend?

Der Totenkopf kommt aus der Harley Davidson Szene und steht für Dauerhaftigkeit. Daher wird er gerne auf Trauringen platziert, häufig mit Brillanten in den Augenhöhlen. Der Anblick dieser Ringe ist natürlich außergewöhnlich und auffallend. Es kommt dann auch vor, dass Bekannte meiner Kunden zu mir kommen und mich bitten ihnen auch solche Schmuckstücke anzufertigen. Ob es ein neuer Trend wird, werden wir noch sehen.  

Vielen Dank Herr Rentschler für das Gespräch. Nähere Informationen über Herrn Rentschler und seine Mokume Gane Arbeiten finden Sie unter www.mokumegane-werkstatt.de.

 

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