Die Farben der Edelmetalle – alles im Auge des Betrachters?

Farben der Edelmetalle

Edelmetalle und ihre Legierungen sind gerade im Schmuckbereich ein Hingucker und begeistern die Menschen. Die Bandbreite an Formen und Farben der kostbaren Stücke ist beachtlich. Allein beim Goldschmuck steht der Interessent vor der Qual der Farbwahl: soll der neue Ring oder das neue Armband aus klassischem Gelbgold hergestellt sein oder doch lieber aus schickem Rot- oder Weißgold? Innerhalb dieser groben Einteilung finden sich erneut Farbabstufungen – die einen mögen lieber ein sattes Gelb, andere favorisieren eher ein helleres Gelb. Doch wie würden wir jemandem diese Farben mit eigenen Worten genau beschreiben ohne gleich auf ein Farbmuster zu zeigen? Wie würden wir sie von anderen Gelbtönen abgrenzen? Es ist tatsächlich gar nicht so einfach, um nicht zu sagen praktisch unmöglich, denn der Mensch verfügt weder über eine farbliche Maßeinteilung, noch über ein farbliches Erinnerungsvermögen. Selbst wenn wir das Schmuckstück direkt vor uns sehen, können wir immer nur bedingt eine Aussage über dessen exakte Farbe treffen. Erschwerend kommt hinzu, dass der erstandene Ring beim Sonntagsausflug in strahlender Mittagssonne farblich anders erscheint als zum Zeitpunkt des Kaufs im künstlich beleuchteten Geschäft oder in der Abenddämmerung.

Farbe ist keine Eigenschaft eines Gegenstands, sondern eine subjektive Wahrnehmung, die im Gehirn entsteht!

Unter diesem Umstand erscheint Farbkommunikation praktisch unmöglich zu sein, zumal jeder Mensch auch noch ein individuelles Sehvermögen besitzt. Doch die objektive Farbbeurteilung ist durchaus Realität und gängige Praxis, nicht nur im Bereich der Edelmetalle, sondern auch in vielen weiteren Branchen. Die Kunst besteht darin, die Einflussparameter, welche letztendlich die Farbwahrnehmung in unserem Kopf erzeugen, zu standardisieren. Auf dieser Basis können exakte numerische Farbwerte bestimmt werden.

Von großer Bedeutung ist, wie schon angedeutet, die Lichtquelle, die das betreffende Objekt bestrahlt. Es existieren verschiedene genormte Lichtarten, die jeweils ein definiertes Energiespektrum im sichtbaren Wellenlängenbereich des Lichts aufweisen. Trifft das Licht einer solchen genormten Lichtart auf ein Objekt, reflektiert dieses einen Teil des einfallenden Lichts. Das vom Objekt reflektierte Licht nehmen wir als dessen Farbe wahr. Wird hingegen jegliches Licht absorbiert, erscheint der Körper schwarz. Das menschliche Auge fungiert hierbei als Sensor für das vom Objekt individuell reflektierte Licht und ist in diesem Kontext praktisch nichts anderes als eine Farbmessapparatur.

Lichtart, Objekt und Beobachter stellen die wesentlichen Einflussgrößen auf die Farbe dar und können jeweils mathematisch abgebildet und schließlich zusammengeführt werden. Das Ergebnis dieses Systems sind Farbwerte, die unter den gegebenen Randbedingungen die Farbe des Objekts eindeutig beschreiben. Wird jedoch bei einer Messung beispielsweise die Lichtart verändert, resultieren automatisch andere Farbwerte, obwohl es sich um ein und dasselbe Objekt handelt. Daher ist es unumgänglich, bei gemessenen Farbwerten immer die Randbedingungen mit anzugeben.

Das wohl verbreitetste Farbsystem ist das 1976 von der CIE (Commission internationale de l‘éclairage) entwickelte L*a*b*-System. Hierbei stehen L* für die Helligkeit (L*=0=schwarz; L*=100=weiß), a* und b* für den Farbort. a* beschreibt den Farbverlauf von grün nach rot und b* den Verlauf von blau nach gelb. Vereinfacht lässt sich das System als dreidimensionale Kugel auffassen, in der alle sichtbaren Farben enthalten sind.

Lab Kugel

Durch den Vergleich von Zahlenwerten lässt sich herausfinden, wie zwei Farben zueinander stehen. Je näher die Werte beieinander liegen, desto ähnlicher sind die Farben. Auf diese Art kann beispielsweise ein farblich passendes Lot für eine Legierung gefunden werden. Ebenso ist die Feststellung, ob eine Farbe eine Normfarbe ist, möglich. Die sogenannten Farben 0N bis 5N sind genormte Farben von Goldlegierungen, die von grüngelb bis rot reichen und weit verbreitet sind. Im Bereich von weißen Werkstoffen lässt sich über die Berechnung des Yellowness-Index (D1925) eine Aussage treffen, wie weiß eine Legierung ist.

Die Farbmessung ist ein hilfreiches Werkzeug und eröffnet Wege und Möglichkeiten, Fragestellungen zum Thema Farbe objektiv zu behandeln. C.HAFNER verfügt über eine entsprechende Messapparatur und die Kompetenz, Farbmessungen durchzuführen und zu analysieren. In weiteren Beiträgen soll fortführend über Farbthemen berichtet werden, so z.B. über die Normfarben und den Yellowness-Index (D1925).

Ihr
Andreas Achtstätter

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