Im Vergleich: Die Verarbeitung von PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold

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Bei der Herstellung von Schmuck aus weißem Edelmetall stehen Goldschmiede und Juweliere oft vor der Wahl, entweder eine Platinlegierung oder rhodiniertes Weißgold zu nutzen. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Im Jahr 2015 kam eine neue Legierung auf den Markt, die die Vorteile dieser Legierungen vereint: Die patentierte PlatinGold-Legierung von C. Hafner. Wir hatten bereits Blogbeiträge zu PlatinGold veröffentlicht, wie z.B. „So unterscheidet sich PlatinGold von anderen Platinlegierungen“ oder „PlatinGold – der neue Platinstandard kommt in der Edelmetall Branche an“. Dabei geht es um die Eigenschaften von PlatinGold. Was hier noch nicht erläutert wurde, war die Frage: Wie lässt sich PlatinGold im Vergleich zu anderen Platinlegierungen und Weißgold verarbeiten?

Heute gehen wir dieser Frage mit Unterstützung von Herrn Thomas Witt nach. Mit über 10 Jahren Erfahrung als Goldschmiedemeister weiß Thomas Witt, worauf es beim Verarbeiten von Platin und Weißgold ankommt. Seine Erfahrung und Erkenntnisse teilt er mit uns im Video. Es lohnt sich sowohl das Video zu sehen, als auch diesen Blogbeitrag zu lesen. Denn im Video werden die einzelnen Schritte anschaulich dargestellt und im Blogbeitrag werden weiterführende fachliche Informationen zu den einzelnen Schritten beschrieben.

PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold: Vergleich am Solitär und Eigenschaften

Der Solitär ist der wohl bekannteste Verlobungsring unserer Zeit. Er ist schlicht in seiner Form und zugleich mit der Krappenfassung um den Diamanten sehr eindrucksvoll. Nicht nur aus optischer Sicht, sondern auch aus Verarbeitungssicht lässt sich anhand dieses Ringes die Bearbeitung wunderbar vergleichen. Von einem Gussteil bis hin zum fertigen Verlobungsring: Wie lässt sich die Verarbeitbarkeit der unterschiedlichen Legierungen beurteilen?

Wichtige Eigenschaften zuvor im Überblick:

*… der Yellownessindex (YI) ist ein Maß für die weiße Farbe, je niedriger YI desto weißer die Legierung

Gießen von PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold

Allgemein lässt sich zum Thema Gießen folgendes festhalten: Weißgold ist am einfachsten gießen, da das Schmelzintervall bei 1020-1090 °C liegt und somit im Vergleich zu Platinlegierungen (über 1600 °C) wesentlich niedriger liegt. Dazu genügen gipsgebundene Einbettmassen und Gießanlagen mit moderater Schmelzleistung. Außerdem können die günstigen Graphittiegel verwendet werden. Das ist für Platin ausgeschlossen, da Platin mit Graphit reagieren und verspröden würde. 

PlatinGold besitzt durch den Verzicht auf sehr reaktive Elemente wie Gallium und ein für Platinlegierungen niedrigeres Schmelzintervall sehr gute Gießeigenschaften. Der Standard zum Gießen von Platin 950 war bis dahin Platin-Kobalt. Die Gießperformance bei den Legierungen erreicht vergleichbare Ergebnisse. Für PlatinGold ist nach dem Erstarren die Härte sogar höher, bei trotzdem sehr guter Zähigkeit, was den Ring weniger verschleißanfälliger macht. Trotzdem sind Schmieden, Weiten und Biegen problemlos möglich und die Steifigkeit ist am Ende höher, um beispielsweise wertvolle Steine in Fassungen zu halten. Dennoch lautet unser Ratschlag an alle, die noch nie Platin gegossen haben: Überlasst das Gießen der Schmuckstücke einer Gießerei, welche das nötige Equipment und Knowhow besitzt.

Das Gießen von Schmuckstücken ist ein sehr komplexes Thema, welches einen ganzen Blogbeitrag füllen würde. Falls Sie daran Interesse haben, lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen und wir bereiten dieses Thema gerne für Sie auf.

Die Ringe im Video wurden in einer Gießerei perfekt gegossen.


Gussringe versäubern: PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold

Beim Versäubern der Ringe werden im ersten Schritt die Gusskanäle von den Ringen entfernt. Dabei kann man die Härte bei allen drei Edelmetalllegierungen deutlich spüren. Während man beim Schmieden von Legierungen mit höherer Härte mehr Kraft einbringen muss, hat diese höhere Härte wiederum den wesentlichen Vorteil, die Schmuckstücke kratzfester und widerstandsfähiger zu machen.

Die im Video vorgestellte Weißgold-Legierung mit 14 % Pd (751 WG 11) ist verglichen mit anderen Weißgolden sehr hart. Dennoch ist diese Weißgoldlegierung für den Guss prädestiniert, da die Festigkeit üblicherweise nicht mehr durch Verformung verbessert werden muss. Weiche Legierungen sind für den Schmuckguss von vornherein nicht gut geeignet.

Im Vergleich zu Platin-Kobalt weist PlatinGold eine höhere Härte auf. Das ist günstig, unser spezielles Guss-Weißgold mit 14 % Palladium hat aber noch eine höhere Härte.

Neben der Härte spielen weitere Eigenschaften beim Versäubern der Schmuckstücke eine wichtige Rolle, wie z.B. die Spanbarkeit, die Wärmeabfuhr und der Werkzeugverschleiß. Insbesondere bei einer Serienherstellung, wie den Trauringen, sind diese Eigenschaften sehr wichtig. Denn von diesen Eigenschaften hängt die Effektivität der Produktion ab. Innerhalb der Gruppe der Weißgoldlegierungen als auch Platinlegierungen gibt es wesentliche Unterschiede, die keine verallgemeinernde Rückschlüsse zulassen, wie bspw., dass Weißgoldlegierungen einfacher zu zerspanen sind als Platinlegierungen. Das hängt mit der naturgegebenen niedrigeren Wärmeleitfähigkeit von Platin zusammen. Dadurch verschleißen Werkzeuge schneller, da Wärme langsamer abtransportiert werden kann.

Im Video stellt Herr Witt fest, dass sich PlatinGold wider seines Erwartens mit einem Fräser offenbar genauso gut bearbeiten lässt, wie die Weißgold-Legierung. Die Fräsbarkeit der drei Legierungen ist in diesem Fall ähnlich und man kann sagen, dass sich alle drei Edelmetalllegierungen vom Zeit- und Kraftaufwand an der Goldschmiedewerkbank analog bearbeitet lassen haben.

Löten von PlatinGold: Hartlöten vs. Weichlöten

Oft wird die Frage gestellt, wie das Löten an PlatinGold funktioniert. Zum einen welches Lot man dafür nehmen kann und zum anderen, ob es Farbunterschiede gibt. Bei C.HAFNER wurden Platin-Lote entwickelt, welche den Schmelzanforderungen, der Farbe und den Gebrauchsanforderungen gerecht werden.

Beim Löten spricht man ab einer Arbeitstemperatur von 450 °C von Hartlöten. Platinlote sind der Definition nach alle Hartlote und besitzen Arbeitstemperaturen von nahe 1000 °C bis zu 1250 °C. Die Schmelztemperatur von 950er Platin liegt deutlich höher, sodass keine Schädigung der Ringschiene durch zu starke Erwärmung auftreten kann. Im Test von Herrn Witt haben die beiden ausgewählten Lote, extrahart und weich, also das Lot mit der höchsten Arbeitstemperatur und das mit der niedrigsten, sehr gut abgeschnitten. Gelötet wurde mit einem Propangasbrenner, das Lotplättchen wurde mit etwas Flußmittel positioniert. Mit etwas Vorwärmen und Erhitzen bis zum Aufschmelzen des Lotes flossen die beiden Lote einwandfrei in den Spalt der Ringschiene. Die Ringe waren nach dem Polieren fehlerfrei, es waren keine Poren vorhanden. Die Lote haben sich perfekt und dauerhaft mit dem Material verbunden. Die Lotstelle des extraharten Lotes war beim genauen Hinsehen aufgrund eines geringen Farbunterschiedes noch zu erkennen. Unserer Meinung nach ist dies aber im vertretbaren Bereich. Für das weiche Platinlot, ist im polierten Zustand des Ringes kein Farbunterschied zu erkennen. Das ist darauf zurückzuführen, dass das weiche Lot viel Silber (fast 900 ‰) enthält.

Politur von PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold

Die Polierbarkeit der Edelmetalllegierungen ist insbesondere für glänzende Schmuckstücke ein wichtiges Kriterium. Denn nicht nur beim Poliervorgang sollte die Legierung „glänzen“, sondern auch im Endergebnis. Zum Vergleich der drei Legierungen polierte Herr Witt mit einer Poliermaschine und dem Einsatz verschiedener Polierpasten. Alle drei Ringe ließen sich schnell und problemlos polieren. Das Ergebnis war einwandfrei und zeigte eine sehr gute Polierbarkeit von fehlerfreien Gussmaterialien sowie, dass 950er Platin mit vergleichbarem Aufwand wie Weißgold poliert werden kann.

Weißgold-Ring nach der Politur.

Fassen von Edelsteinen mit PlatinGold, Platin-Kobalt und Weißgold

Bei der Chatonfassung kommt es darauf an, dass sich die Krappen gut andrücken lassen und der Stein fest umklammert wird. Vorbereitend wurde die Fassung mittels Laser an die Ringschiene geschweißt. Natürlich mussten die Fassungen gesäubert und poliert werden. Für eine bessere Verbindung der Fassung an der Ringschiene sollte diese anschließend gelötet werden.

Alle drei Legierungen ließen sich ähnlich gut fassen. Dadurch fällt die Bewertung hinsichtlich des Fassens von Edelsteinen bei allen gleichgut aus. Es sei noch erwähnt, dass sich Chatonfassungen leichter abnutzen können, da die Krappen sehr exponiert stehen. Deshalb ist die Härte und damit die Steifigkeit und Verschleißbeständigkeit der verwendeten Legierung von größerer Bedeutung. Bei den beiden 950 Platin Legierungen zeigt sich der klare Vorteil von PlatinGold, welches eine um 25 % höhere Härte als Platin-Kobalt besitzt.

Wesentliche Unterschiede der drei Legierungen: Farbe, Preis und Biokompatibilität

Nachdem die Edelmetalllegierungen beim handwerklichen Verarbeiten von Herrn Witt ähnlich gut bewertet worden sind, stellt sich zum Schluss die Frage, worin sie sich nun unterscheiden. Es gibt drei wesentliche Unterschiede:

  • Weiße Farbe

Weißgold, das in Frankreich auch als Graugold (or gris) bezeichnet wird, ist in der Tat nicht weiß. Palladium in Edelweißgold bleicht zwar das Gold, aber macht es auch grau. Das Ausbalancieren von Palladiumgehalt, Farbe, Gießbarkeit und Festigkeit hat viele Weißgoldvarianten auf den Markt gebracht. Die Legierungen mit geringerem Palladiumgehalt sind dann noch leicht gelblich und die mit hohem Gehalt deutlich Grau. Es ist üblich, Weißgoldschmuckstücke aus diesem Grund mit einer Rhodiumschicht galvanisch zu beschichten. Rhodium ist ideal weiß, leider verschleißen diese hauchdünnen Schichten und die eigentliche Farbe der Legierung wird sichtbar. Ein Nachrhodinieren ist dann ein aufwändiger Restaurierungsschritt. Dieser zusätzliche Schritt kostet nicht nur mehr Geld, sondern auch Zeit im Vergleich zu Platinlegierungen, die von Natur aus fast so weiß wie Rhodium sind.

Im Video war der Farb-Unterschied bei Weißgold und Platinlegierungen deutlich erkennbar. Der Farbparameter zum Vergleich von weißen Materialien ist der Yellowness-Index (YI), also der Gelb-Ton. Dieses Modell bietet eine sinnvolle Orientierungshilfe. Wie das Modell funktioniert, können Sie gerne im Blogbeitrag „Die standardisierten Farben der Goldlegierungen“ nachlesen.

PlatinGold und Platin-Kobalt weisen jeweils einen Yellowness-Index von 10 auf, unser Weißgold mit 14 % Palladium ein YI von 19. Das Weißgold wird zwar mit diesem Wert dem Premium White Qualitätsgrad zugeordnet, allerdings ist der Unterschied zu Platin für jeden sofort sichtbar.

  • Preis

Wenn man ausschließlich den Materialwert (Euro pro Gramm) betrachtet, so ist die günstigste Variante von den drei vorgestellten Edelmetalllegierungen eindeutig Platin-Kobalt. Gefolgt wird dieser von PlatinGold. Als teuerstes Material gilt Weißgold, dessen Kurs insbesondere aufgrund vom aktuell hohen Palladiumpreis angetrieben wird.

Doch jeder Goldschmied weiß, dass häufig bei der Kostenberechnung die Materialdichte entscheidend ist. D.h. je höher die Dichte der Legierung, desto schwerer das Schmuckstück, desto teurer die Materialkosten. Wie sieht der Unterschied bei den Kosten pro Ring aus?

Aufgrund von aktuellen Edelmetallpreisentwicklungen sind Platinlegierungen trotz ihrer höheren Dichten bei den Materialkosten pro Ring wesentlich günstiger als Weißgoldlegierung. Nachfolgend ein Preisbeispiel mit aktuellen Edelmetallpreisen vom 09.08.2022:

Der Dichteunterschied WG zu Pt 950 ist etwa + 25 %, der Metallpreis aber aktuell Au zu Pt = – 50 %.

Das relativiert den Dichtenachteil von Platin. Wenn man es exakt ausrechnet, dann beträgt im Moment der Metallpreis von PlatinGold im Vergleich zu Weißgold nur 71 %, bzw. man spart mit Platin 950 um die 30 % am Materialwert bei gleichartigen Teilen.

Neben den Gusskosten müssen beim Weißgold-Ring die Rhodinier-Kosten dazugerechnet werden. Dass muss unbedingt beachtet werden, zumal Rhodium extrem teuer geworden ist.

  • Biokompatibilität und Magnetismus

Neben Farbe und Preis ist ein weiterer wichtiger Unterschied die gesundheitliche Verträglichkeit. 

Das Kobalt in Platin-Kobalt wurde im März 2022 von REACH als gesundheitsbedenklich eingestuft. Dies hat zur Folge, dass ab sofort die Legierungen, die Kobalt enthalten, für den Verbraucher entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Daneben ist Platin-Kobalt ferromagnetisch und wird somit von manchen Schmuckkäufern als unedel empfunden.

Im Gegensatz zu der hier dargestellten unbedenklichen Weißgold-Legierung enthalten einige andere Weißgold-Legierungen Nickel, welches Kontaktallergien verursachen kann.

Ist PlatinGold biokompatibel? Die Summe der Edelmetalle Platin, Gold und Iridium liegt im PlatinGold bei 97,5 % und ist damit deutlich höher als bei Wettbewerbslegierungen. Das steigert nicht nur den edlen Charakter der Legierung, sondern auch die Biokompatibilität. Es sind selbstverständlich keine allergieerregenden Legierungselemente enthalten.

Fazit

Bei der Verarbeitung von Weißgold, Platin-Kobalt und PlatinGold schneiden alle drei Edelmetalllegierungen gleich gut ab. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Farbe, der Biokompatibilität und aktuell beim Preis. PlatinGold ist im Gegensatz zu Platin-Kobalt gesundheitlich unbedenklich, gleichzeitig im Vergleich zu Weißgold super weiß und günstiger. Somit bestätigt sich die in der Einführung aufgeführte Behauptung, dass PlatinGold die Vorteile der Platin- und Goldlegierung optimal vereint und als Edelmetalllegierung für weiße Schmuckstücke eine sehr Option ist.