Welche Faktoren beeinflussen den Goldpreis?

Häufig bekommen wir im Edelmetall-Handel die Frage gestellt, weshalb der Goldkurs denn nun steigt bzw. fällt. Mindestens genauso häufig stellen wir uns diese Frage selbst, da es kaum eine nennenswerte Kursänderung gibt, die im Nachhinein nicht plausibel begründet werden kann. Nachfolgend möchten wir genauer beleuchten, welche Einflussfaktoren die Preisbildung des Goldes beeinflussen und anhand von aktuellen Beispielen diese veranschaulichen. Dabei müssen wir unterscheiden in Ereignisse, die völlig unerwartet eintreten (bspw. Aktiencrashs oder Terroranschläge) und Ereignisse, die sich abzeichnen (bspw. die Bekanntgabe von Zinserhöhungen). Gegen unerwartete Ereignisse ist man völlig machtlos. Bei letzteren weiß man in der Regel nicht was passiert (z.B. bei Zinserhöhungen), jedoch sind die Termine bekannt und man ist gewappnet, dass etwas passieren könnte. Insgesamt gibt es acht Haupteinflussfaktoren auf die Goldpreisbildung, die es zu beachten gilt.

1. US-Dollar

Weiterhin wird der größte Teil des weltweiten Goldhandels in US-Dollar abgewickelt. Die Faustregel besagt, dass ein schwacher US-Dollar den Goldpreis steigen lässt und eben umgekehrt. Sowohl der US-Dollar als auch Gold werden von den Finanzmärkten als sicherer Hafen angesehen. Schwächelt nun US-Währung, ist es für viele Investoren ein Anlass diese zu verkaufen und in Gold zu investieren.

Bei US-Dollar und Gold spricht man von einer „Konkurrenz-Währung“. Allerdings konnte man in den 90ern beobachten, dass diese Logik auch mehrere Jahre „außer Kraft“ gesetzt werden kann und beide Charts parallel verlaufen. Handelt man in Euro, muss man darüberhinaus die Umrechnung EUR/USD beachten.

2. Ölpreis

Häufig kommt es vor, dass die Kurse von Öl und Gold in dieselbe Richtung laufen. Dies hat verschiedene Gründe. Viele geopolitische Krisen entstehen in Ländern mit großen Erdölvorkommen, siehe Russland oder Naher Osten. Folglich verknappt sich das Angebot an Erdöl und der Ölpreis steigt. Wegen der Krisenangst investieren die Anleger gleichzeitig in Gold, wodurch auch dieser Kurs steigt. Ferner macht ein steigender Ölpreis vieles teurer. Die Preise für Benzin, Gas, Lebensmittel, etc. steigen, die Inflationsrate zieht dadurch an. Hier kommt wieder das Gold ins Spiel, welches als Inflationsschutz deutlich mehr nachgefragt wird.

Dieser Faktor könnte mittelfristig in den Fokus rücken, da der Ölpreis nach wie vor niedrig ist und deutlich zulegen könnte. Es lohnt sich dies zu beobachten.

3. Zinsen

Steigende Zinsen gelten gemeinhin als Gift für den Goldkurs. Je höher die Verzinsung von Kapitalanlagen ist, umso unattraktiver wird Gold, da es keinerlei Zinsen abwirft. Da wir aktuell in einer nie dagewesenen Niedrigzins-Phase stecken, könnte dieser Faktor in den nächsten Jahren durchaus zum Tragen kommen. Viele institutionelle Anleger haben sich von Anleihen abgewandt. Steigt deren Verzinsung in Zukunft wieder nennenswert, werden wir große Kapitalflüsse in diese Richtung sehen können, wahrscheinlich zu Lasten der Anlageklasse Gold.

4. Inflation

Würde man bei Finanzexperten eine Umfrage nach dem „Inflationsschutz Nummer 1“ starten, würden wohl fast alle Befragten Gold nennen. Traditionell ist eine steigende Inflation ein Schmiermittel für den Goldpreis. Besonders deutlich wurde dies Ende der 70er Jahre, als die Inflationsrate auf den höchsten Stand in Friedenszeiten kletterte. Der Goldpreis zog unmittelbar nach und vervielfachte sich innerhalb weniger Monate. Da wir seit Mitte 2014 stets unter 1,0 Prozent bei der Inflationsrate liegen, hat dieser Faktor aktuell keinen Einfluss auf die Goldkursbildung. Dies könnte sich mittelfristig jedoch wieder ändern, da die Zentralbanken alles versuchen die Inflationsrate zu steigern. Dieser Punkt wird uns in den kommenden Jahren gewiss immer wieder beschäftigen.

5. Aktienmärkte

Der Einfluss der Aktienmärkte auf Gold ist unter Experten nicht gänzlich unumstritten. Insbesondere bei unerwarteten Ereignissen wie dem 11. September 2001 ist zu beobachten, dass die Aktienkurse einbrechen und der Goldpreis in die Höhe schnellt. Umstritten ist nun, ob der Goldpreis wegen den fallenden Aktienkursen steigt oder wegen dem dies auslösenden Ereignis. Zu beachten ist jedoch, dass die verschiedenen Anlageklassen stets in Konkurrenz zueinander stehen. Da alle Anleger und Investoren nur eine Summe X zur Verfügung haben, stehen Gelder, welche in Aktien investiert wurden, für Gold nicht zur Verfügung. Der direkte Einfluss auf den Goldpreis ist allerdings eher klein und führt selten zu kurzfristigen Kursänderungen.

6. Wirtschaftsnachrichten

Besonders Wirtschaftsnachrichten aus den USA bewegen in regelmäßigen Abständen die Märkte. Ob Zinsentscheidungen, Arbeitsmarktzahlen oder Konsumdaten, viele Nachrichten haben das Potenzial die Kurse zu beeinflussen. Wie bereits einleitend erwähnt, ist vorher in der Regel bekannt wann diese „Zahlen“ veröffentlicht werden.

Dies ist auch der Unterschied zu den anderen Faktoren, die Veröffentlichungen treffen den Markt nicht unvorbereitet. Unklar ist lediglich, was veröffentlicht wird und welche Auswirkungen das auf den Kurs hat. Um sicher zu gehen, kann man vorab seine Positionen handeln bzw. absichern. Die nächste wichtige Veröffentlichung wird beispielsweise heute um 14.30 Uhr MEZ sein. Es werden die Auftragseingänge für langlebige Güter vom US Census Bureau bekanntgegeben.

7. Physische Nachfrage und ETF´s

Wie bei allen Märkte ist auch im Goldmarkt das Angebot und die Nachfrage bei der Kursbildung zu beachten. Da das Angebot zuletzt sehr stabil war, können wir dieses vorerst außer Acht lassen. Große Schwankungen gab es hingegen zuletzt bei der Nachfrage. In den vergangenen Jahren fragten insbesondere China und Indien große Mengen nach. In diesem Jahr waren die größten Nachfrage die Goldfonds, sog. ETF´s. Hier kann es sehr kurzfristig zu Änderungen kommen. Wären die ETF´s zuletzt nicht in die Bresche gesprungen, lägen die Kurse aktuell wohl im Bereich 30,00 EUR/g. Deshalb lohnt es sich immer die Nachfrageseite zu beobachten und Tendenzen zu erkennen.

8. Geopolitische Einflüsse

Dieser Punkt konnte in den letzten Jahren eher vernachlässigt werden. Es scheint, als habe sich die Finanzwelt an die vielen Krisen weltweit gewöhnt, eine bestimmte Anzahl an Kriegen und Unruhen scheinen „eingepreist“. Einflüsse auf den Goldpreis hätten wohl lediglich größere Probleme in westlichen Ländern, was wir natürlich allesamt nicht hoffen wollen.

Abschließend bleibt zu konstatieren, dass es verschiedenste Gründen für Kursschwankungen geben kann. Die wenigsten haben die Zeit sämtliche Faktoren ständig im Auge zu behalten, dies ist auch keineswegs nötig. Trotzdem lohnt es sich die Augen offen zu halten und über das Weltgeschehen informiert zu sein. Sollten Sie zu speziellen Themen Fragen haben, steht Ihnen der Edelmetall-Handel von C.HAFNER gerne zur Verfügung.

Ihr
Torsten Schlindwein

 

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