Die Standards in der Edelmetallbranche: wichtige Fragen zu den Zertifizierungen

Zertifizierungen des Edelmetalls

Dass Gold primär nicht immer nachhaltig gewonnen wird, ist leider fakt. Zu den dramatischen Problemen bei der Förderung von Minengold zählen unter anderem Umweltzerstörung, Kinderarbeit, Verletzung der Menschenrechte und die Finanzierung von Terrorgruppen.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wurden von der OECD Richtlinien zur Gewinnung von konfliktfreiem Edelmetall erstellt. Auf dieser Basis haben Institutionen der edelmetallverarbeitenden Industrie Konzepte zur Umsetzung des OECD-Leitfadens entwickelt, die Unternehmen als Vorgaben zur Überprüfung ihrer Lieferketten dienen. Der Begriff „Lieferkette“ bezeichnet dabei die Gesamtheit aller Vorgänge, Organisationen, Akteure, Technologien, Informationen, Ressourcen und Dienstleistungen, die vom Abbau bis zum Endprodukt eine entscheidende Rolle spielen.

Für die Schmuck- und Uhrenindustrie sind dies insbesondere der RJC sowie die LBMA für den Goldhandelsmarkt. Wichtige Rahmenbedingungen sowie grundsätzliche Unterschiede dieser Zertifizierungen werden im Nachfolgenden erläutert. Erfahren Sie außerdem mehr über ihre Vorteile für Unternehmen und Endkonsumenten.

Welches sind die Kernforderungen der OECD-Richtlinie?

OECD_Zertifikate

Die OECD hat mit den OECD-Due-Diligence-Leitlinien* Standards und Handlungsempfehlungen zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten von Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten entwickelt. Diese beziehen sich auf:



  • die Einhaltung von Menschenrechten bei der Gewinnung, Herstellung sowie beim Transport und Handel von Edelmetallen
  • das Verhindern von kriminellen Handlungen und Unterstützung von Konflikten durch Lieferantenbeziehungen

* Title: „OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High Risk Area“

Wofür steht LBMA?

LBMA

Die London Bullion Market Association (LBMA) koordiniert den Handel am London Bullion Market, dem größten außerbörslichen Handelsplatz für physisches Gold. Zugelassen zum Handel sind nur Goldbarren von Herstellern, die LBMA-zertifiziert sind. Das Augenmerk richtet sich dabei auf die Umsetzung der OECD-Richtlinien entlang der gesamten Lieferkette sowie Maßnahmen gegen Geldwäsche. Diese Unternehmen werden in der sog. LBMA Good delivery-Liste geführt und müssen sich regelmäßigen Überprüfungen und strengen Kontrollen von unabhängigen Auditoren unterziehen. Sie umfasst derzeit 72 Barrenhersteller (Stand 04/2020). Zudem müssen sich die Labore der Barrenhersteller regelmäßigen Prüfungen, dem sogenannten PAM* unterziehen. Hierbei müssen sie ihre Fähigkeit, die Feinheit des Goldes zu bestimmen, nachweisen.

*Pro Active Monitoring. Analyse einer unbekannten Probe die von der LBMA ausgegeben wird.

Was ist der Good-Delivery-Status des LBMA?

Das internationale Gütesiegel „Good-Delivery“ (dt. „in guter Auslieferung“)-Status ist Grundvoraussetzung für die Zulassung als Goldlieferant und für die weltweite und uneingeschränkte Handelsfähigkeit der Goldbarren. Die Anforderungen an die Zertifizierung beinhaltet die Qualität der produzierten Barren, der verwendeten Analyseverfahren sowie der finanziellen Stabilität eines Unternehmens und werden regelmäßig von unabhängigen Auditoren überprüft.

Die Punzierung der Good-Delivery-Goldbarren gibt den garantierten Feingehalt, das Feingewicht, die Herstellerangabe und eine registrierte Seriennummer an.

Der Good-Delivery-Status bietet Unternehmen und Endkunden vor allem Sicherheit: Gold, das diesen Status vorweist, stammt aus Quellen, die sich keiner Menschenrechtsverletzung schuldig gemacht haben und keine kriminellen Aktivitäten unterstützt haben.

Zudem garantiert dieser Status höchste Reinheit des aufgearbeiteten Goldes.

Was ist der RJC?

RJC, Edelmetall Zertifizierung

Der Responsible Jewellery Council (RJC) ist ein internationaler Zusammenschluss von Unternehmen der Schmuck- und Uhrenbranche und deren Zulieferer. Der seit 2005 bestehende Verband mit derzeit 102 CoC-zertifizierten Mitgliedern (Stand 04/2020) und Sitz in London hat das Ziel, eine ethische, sozial- und umweltverträgliche sowie menschenrechtskonforme Unternehmenspolitik zu fördern.


Standards des RJC sind der CoP (Code of Practices) sowie der CoC (Chain of Custody):

Was bedeutet COP und Vergleich zu COC?

Der CoP – Code of Practices ist ein Verhaltenskodex – also die Verpflichtungserklärung aller RJC-Mitgliedsunternehmen zur Einhaltung von vier Standardprinzipien der unternehmerischen Praxis bzgl.

  • Unternehmensethik:
    • Verbot von Korruption, Schmuggel, Unterschlagung und Schmiergelder. Verbot von Geldwäsche und Terrorfinanzierung; Zertifizierung entlang den Kriterien des Kimberley Prozesses zum Verbot von Konflikt- und Kriegsdiamanten; Produktsicherheit, Produktintegrität
    • Einhaltung der Menschenrechte und gesellschaftliche Verantwortung entspr. der UN-Menschenrechtscharta und der UN-Kinderrechtskonvention
  • Umweltverantwortung:
    • Umweltschutz. Umgang mit Gefahrstoffen, Abfall und Emissionen sowie die Nutzung von Energie und natürlichen Ressourcen.
  • Managementsysteme:
    • Bindung an bestehende rechtliche Grundlagen, Unternehmenspolitik, Geschäftsbeziehungen

Der CoC – Chain of Custody – formuliert darüber hinaus die Ansprüche an ebendiese Grundprinzipien entlang der gesamten Lieferkette – also den Kunden- und Lieferantenbeziehungen eines Unternehmens.

Welche Anforderungen muss ein Unternehmen erfüllen um RJC-COC gelistet zu werden?

Die Listung eines Unternehmens als CoC-Standard setzt zunächst die Mitgliedschaft im RJC und der damit einhergehenden Selbstverpflichtung des Unternehmens – dem sog. Code of Practices (CoP) voraus.

Darüber hinaus muss jedes CoC-zertifizierte Unternehmen ein Managementsystem nachweisen, welches die lückenlose Dokumentation einer konfliktfreien Lieferkette sicherstellt.

Welche Kosten entstehen aus der CoC-Zertifizierung?

Die Einhaltung und Dokumentation einer konfliktfreien Lieferkette bedarf eines erhöhten Aufwandes. So erfordert es ein umfangreiches Prüfungsverfahren zur Bewertung von Lieferanten. Des Weiteren ist ein geschlossener Materialfluss notwendig, um eine Vermischung mit nicht zertifiziertem Material zu verhindern. Dieser Prozess muss von der Warenannahme, über die Edelmetallscheidung bis zur Weiterverarbeitung und Logistik durchgängig sichergestellt werden. Dieser Aufwand wird mit einem individuellen Aufschlag für CoC-Material abgedeckt.

Was unterscheidet LBMA und RJC?

Die LBMA regelt den verantwortungsvollen Umgang der Lieferketten für Gold- und Silberbarren.

Der RJC bezieht sich auf die gesamte Lieferkette für Edelmetalle und –Steine für die Schmuck- und Uhrenindustrie.

Wer verlangt Produkte nach LBMA und RJC-COC Standard?

LBMA-zertifizierte Produkte haben insbesondere Bedeutung für den internationalen Edelmetallhandel. Sie definieren einen verlässlichen Standard für Käufer und Händler.

CoC-Material wird von der gesamten Lieferkette der RJC-zertifizierten Schmuck- und Uhrenindustrie nachgefragt. Um einen durchgängig dokumentierten Materialfluss sicherzustellen, betrifft dies jeden Einzelnen der Lieferkette.

Welchen Vorteil haben Hersteller von Barren, Halbzeug, Schmuck und Uhren aus der Einhaltung dieser Standards?

Die Frage, unter welchen Bedingungen deutsche und internationale Unternehmen produzieren, rückt immer stärker in den Fokus der Stakeholder und der gesamten Öffentlichkeit.

Unternehmen, die die Achtung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sichern, sowie konfliktbehaftete Quellen meiden, übernehmen nicht nur gesellschaftliche Verantwortung – sie erzielen langfristig auch einen wirtschaftlichen Nutzen.

Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Risikominimierung, denn die Einhaltung der Standards verhindert das Risiko von Produktionsausfällen durch Streiks, Umweltbelastungen, Rechtsstreitigkeiten und alle damit zusammenhängenden Kosten.

Des Weiteren steigt die Reputation eines Unternehmens, der Markenwert und die Marktanteile. Und dies nicht nur bei Endkunden, die durch ihre Kaufentscheidung unmittelbar zum Umsatz beitragen, sondern auch bei Geschäftspartnern, die bei ihren Investitionsentscheidungen zunehmend einbeziehen, wie nachhaltig ein Unternehmen handelt.

Welchen Vorteil haben die Unternehmen in der gesamten Lieferkette aus der Einhaltung dieser Standards?

Neben den bereits genannten Vorteilen für das eigene Unternehmen, ist die Einhaltung der Prinzipien die Grundvoraussetzung, Teil der Lieferkette für CoC-zertifizierte Unternehmen zu werden, d. h. als zertifizierter Lieferant zugelassen zu werden.

Welche Vorteile hat der Endverbraucher aus der Einhaltung dieser Standards?

Endverbraucher können sicher sein, ethisch und ökologisch unbedenkliche Produkte erworben zu haben. D. h. dass bei der Produktion des Schmucks oder Uhren keine Menschenrechte missachtet, Terror oder Krieg unterstützt oder die Umwelt zerstört wurde.

Wie wird es in der Praxis umgesetzt?

Die aufgeführten Zertifizierungen sind international in der Edelmetallbranche bedeutend. Viele namhafte Schmuck- und Barrenhersteller arbeiten ausschließlich nur mit zertifizierten Edelmetalllieferanten.   

C.HAFNER ist bereits seit Jahren CoC- und LBMA zertifiziert. Sowohl die LBMA-Listung als auch der CoC-Standard erfordern ein Managementsystem, welches die sorgfältige Prüfung der Lieferkette sicherstellt.

Bei C.HAFNER erfolgt dies für jeden Lieferanten über

  1. das Einholen einer sog. Lieferantenerklärung. Darin erklärt der Lieferant dem Unternehmen die Einhaltung der LBMA-/CoC-Richtlinien.
  2. die Überprüfung des Lieferanten über Wirtschaftsinformationssysteme
  3. die Überprüfung des Materials beim Wareneingang.
    Um Minenmaterial auszuschließen, verarbeitet C.HAFNER ausschließlich Sekundärgold weiter. Dies kann analytisch festgestellt werden. Nicht einwandfreies Material wird zurückgewiesen.