Trotz Brexit: London bleibt die Gold-Hauptstadt

Auch nach dem Abschluss des „Brexits“ wird London die Kapitale des weltweiten Goldhandels bleiben. Vor kurzem entschied sich die London Bullion Market Association (LBMA) für mehr Transparenz zu sorgen, indem man einmal wöchentlich die gehandelten Mengen an Edelmetall veröffentlicht. In der Kalenderwoche 46 wurden beispielsweise knapp 4.700 Tonnen Feingold in London gehandelt, was einem durchschnittlichen Tagesvolumen von ca. 940 Tonnen entspricht. Der durchschnittliche Tagesumsatz bei Silber lag im obigen Zeitraum bei knapp 11.200 Tonnen.

Knapp zwei Drittel dieser Transaktionen waren sogenannte Spotgeschäfte, etwa 30%  entfielen auf Swaps und Termingeschäfte. Lediglich einen sehr geringen Anteil machen Optionen und Leihen aus.

Es ist davon auszugehen, dass London auch in Zukunft der führende Handelsplatz für Edelmetalle bleibt. Wir erwarten trotz Brexit, dass sich dies in absehbarer Zeit auch nicht verändert.  Wie bereits im Bericht „Brexit“ der Goldhauptstadt erwähnt, gibt es wegen des Brexits aber weiterhin Unsicherheiten im Markt, die bisher nicht abzusehen sind. Die internationalen Edelmetallströme verlagern sich zwar immer mehr nach Asien, allen voran an die Börse von Shanghai, die dort gehandelten Mengen liegen aber noch weit unter dem Niveau in London. In der oben erwähnten Woche wurde in Shanghai lediglich ein Achtel der in London gehandelten Menge umgesetzt.

Gold –  Der unbekannte Riese!

Wenn von steigender oder fallender Nachfrage beim goldenen Metall die Rede ist, denkt man unweigerlich an Zentralbanken, Schmuckhersteller oder Anleger in Barren und Münzen.

Selten ist jedoch die Rede von Exchange TradedFunds (ETF´s) die riesige Mengen Gold lagern und handeln. Es handelt sich um Investmentfonds welche Ihre Anteilsscheine in physischer Form in riesigen Tresoren hinterlegen müssen.

Der größte unter ihnen ist der SPDR Gold Trust, der zu Spitzenzeiten Ende 2012 etwa 1.350 Tonnen Feingold in Barren eingelagert hatte.  Um die Dimensionen zu verstehen, muss man wissen, dass dies etwa 50% der jährlichen Minenproduktion weltweit entspricht.

Der SPDR Gold Trust war damals nach den USA, Deutschland, dem IWF, Italien und Frankreich der sechstgrößte Goldbesitzer. Mittlerweile sind die Bestände etwas zurückgegangen, aber aktuell lagern immer noch etwa 750 Tonnen in den Tresoren.

Zuletzt gab es die Mitteilung, dass der größte Anteilseigner, die Vermögensverwaltung Blackrock, im dritten Quartal 89% seiner Fondsanteile verkauft hat. Umgerechnet waren dies etwa 30 Tonnen Gold die auf den Markt gebracht wurden und somit nicht unerheblich mitverantwortlich, für die Kursverluste in den Sommermonaten.

Palladium – Das Angebot bleibt überschaubar

Seit Mitte diesen Jahres hat der Höhenflug des Palladiums nochmals an Geschwindigkeit zugelegt. Zuletzt kostete das einstige „Stiefkind“ der Edelmetalle nur noch etwa einen Euro pro Gramm weniger als Gold.

Der springende Punkt für die angespannte Situation am physischen Palladiummarkt ist die fehlende Flexibilität auf der Angebotsseite, da es keine reinen Palladiumminen gibt, sondern nur als Beimetall in Nickel und Platin gefördert wird.

Der weltgrößte Palladiumförderer Norilsk Nickel, welcher für etwa 36% der Förderung verantwortlich ist, hat bereits bekannt gegeben, bis 2020 die Mengen nicht zu steigern.

Neben Russland ist Südafrika der zweite wichtige Förderer von Palladium, hier sieht es aber noch schlechter aus. Da der Platinpreis aufgrund der Dieselkrise immer weiter fällt, werden hier die Fördermengen sogar zurückgehen. Die großen Platinminen drosseln die Förderung, da zu den aktuellen Notierungen nicht gewinnbringend gearbeitet werden kann. Als Folge geht auch die ausgebrachte Menge an Palladium zurück. Das Spezielle an der Situation ist, dass trotz steigender Preise die angebotenen Mengen zurückgehen und nicht wie in gewöhnlichen Märkten ausgeweitet werden.

Lediglich etwa 30% des Marktes wird durch Recycling bedient. Hier sind die Mengen zwar stabil, können aber nicht die nachgefragten Mengen im physischen Markt auffangen.

Aufgrund der erwähnten speziellen Situation im Markt, erwarten wir mittelfristig weiter steigende Notierungen. Lediglich ein wirtschaftlicher Abschwung und ein damit einhergehender deutlicher Nachfragerückgang könnte dies aus unserer Sicht verhindern. Wahrscheinlicher ist jedoch das erstere Szenario, da wir auch in den kommenden Jahren von einem Angebotsdefizit ausgehen.

Rhodium – Im Sog von Palladium

Die Grundaussagen die für Palladium gemacht wurden, könnte man so auch für das kleine „Schwestermetall“ Rhodium übernehmen. Nachdem der Rhodiumkurs zur Mitte des letzten Jahrzehnts einen historischen Höhenflug hinlegte, unternahmen die Automobilhersteller größte Anstrengungen, um immer weniger des Metalls pro Fahrzeug zu verbrauchen. Dieser Kraftakt gelang und so verlor die Rhodiumnotierung von 2008 bis 2016 etwa 90 Prozent ihres Wertes.

Als der Rhodiumpreiszu Höchstkursen notierte, erzielten die großen PGM-Minengesellschaften im Süden Afrikas teilweise 40% ihres Umsatzes mit dem Metall. Diese Herrlichkeit war jedoch nur von kurzer Dauer, zuletzt lag der Anteil von Rhodium bei etwa sieben Prozent.

In den vergangenen Monaten kam es jedoch zu einem kaum noch erwartenden Comeback des Metalls. Im Sog von Palladium verdoppelte sich auch der Kurs von Rhodium. Die Gründe hierfür sind dieselben wie bei Palladium. Das Angebot verknappte sich zuletzt, die Nachfrage dagegen zog auf moderatem Niveau an. Der eigentliche Preistreiber ist aber die Aussicht, dass sich diese Situation mittelfristig nicht ändern wird.

Ein Kommentar

  • Irgendwie hat man ja doch geglaubt, dass das Thema Brexit sich mit der Zeit erledigt, aber nun ist es offiziell. Ich bin gespannt, wie es sich mit der Zeit tatsächlich noch auf die Entwicklung des Goldes auswirkt. Das wird ganz sicher noch einiges passieren.

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