Traditionelle Techniken – Neue Designs

Manufakturelle Goldschmiedetechniken wie das Guillochieren, Prägen/Pressen oder das Sandgussverfahren prägten die europäische Schmuckindustrie von Mitte des 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts.

Das Projekt „Manufakturelle Schmuckgestaltung“ hat sich der Erhaltung dieser einzigartigen Verfahrenstechniken und der Weitergabe an kommende Generationen verschrieben: unter dem Titel „Pforzheim Revisited“ trägt das Stipendium in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Technikmuseum Berlin, der Hochschule Pforzheim Fakultät für Gestaltung, der Arbeitsgruppe „Schmuck verbindet“ und dem Unternehmen C.HAFNER zur Tradierung des Projektes „Manufakturelle Schmuckgestaltung“ bei. Seit nunmehr 6 Jahren wurden inzwischen 13 Absolventen der Hochschule Pforzheim von einer Jury für ein Stipendium nach Berlin ausgewählt, um in der Abteilung Schmuckproduktion des Deutschen Technikmuseums an historischen Maschinen neue Designs zu entwickeln und umzusetzen. Im Fokus steht dabei nicht nur die Bewahrung des Fachwissens sondern vielmehr die Transformation traditioneller Techniken in die Anforderungen und Ansprüche der Gegenwart und Zukunft sowie die Weiterentwicklung für die Kleinserienproduktion mit Unikatcharakter.

Einer der Stipendiaten, die in Berlin mit den traditionellen Techniken arbeiten durften, ist der Absolvent des Studiengangs Schmuck der FH Pforzheim Aaron Fischer. Wir haben ihn zu seinen Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen in Berlin befragt:

Herr Fischer, Sie waren 6 Monate im Technischen Museum in Berlin. Was hat Sie dort am meisten begeistert?

Im Technischen Museum habe ich ein einzigartiges Angebot vorgefunden: eine breite Palette an traditionellen Maschinen, an denen ich mich frei ausprobieren konnte, sowie viele wunderbare Menschen, die mir mit Rat und Tat und tiefgreifendem Fachwissen zur Seite standen. Besonders begeistert hat mich auch, wie gut der Austausch mit den anderen Werkstätten des Museums funktioniert. Da ich am Anfang mit Papier experimentierte, konnte ich z. B. in der Papiermanufaktur arbeiten und dort von der Ausstattung der Werkstatt und dem Wissen der Experten profitieren.

Mit welchen Techniken haben Sie im Museum gearbeitet und welche Techniken sind in Ihre Schmuckstücke eingeflossen?

Am Anfang meiner Arbeit habe ich unterschiedliche Techniken ausprobiert, wie das Guillochieren oder das Hohlprägen mit dem Fallhammer. Doch schon bald kristallisierte sich heraus, dass ich das Prägen für mich weiterentwickeln wollte. Es entstand die Idee, einen Löffel mit einem Prägewerkzeug herzustellen. Da die Laffe der aufwändigste Teil des Löffels ist, sehe ich hierin eine Möglichkeit, das Prägen sinnvoll zu nutzen. Der Griff könnte geschmiedet oder ebenfalls geprägt werden. Denkbar wären z. B. verschiedene Prägeformen als modulares System. Hier muss ich die technischen Möglichkeiten noch ausloten. Der Vorteil liegt hier in der Kombination von maschineller Herstellung und des klassischen Handwerks.

  

Wie ist Ihr Fazit: was nehmen Sie von dem Stipendium mit?

Das Tolle an dem Projekt, ist die Möglichkeit, sich ausprobieren zu können und auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen. So konnte ich für mich herausfinden, was zu mir passt, was mir Spaß macht und was ich in Zukunft machen möchte, ohne dem Druck der Hochschule oder wirtschaftlicher Überlegungen ausgesetzt zu sein.

Am Anfang hatte ich in Richtung des Papierprägens experimentiert, was sich jedoch als nicht effektiv und nicht verhältnismäßig herausstellte. Doch auch das war eine wichtige Erfahrung für mich, die mich in meiner Arbeit weitergebracht hat.

Und nicht zuletzt ist es die Erfahrung des Arbeitens mit den traditionellen Techniken und die wertvolle Kontakte, die ich hier schließen konnte und die mich auf meinem weiteren Weg begleiten werden. Dafür möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft und welche Erfahrungen aus dem Projekt werden Sie dabei begleiten?

Aus dem Projekt heraus haben sich bereits mehrere Perspektiven für mich ergeben, die ich derzeit noch prüfe. Fest steht jedoch, dass ich im Anschluss an meinen Aufenthalt in Berlin zunächst nach Pforzheim zurückkehre, um im EMMA an meinem Projekt weiterzuarbeiten. Ich  möchte die weiteren Prägewerkzeuge für den kompletten Bestecksatz herstellen, um daraus eine Kleinserie – z.B. für Restaurants oder Privatpersonen, mit Freude an individuellem Design – zu entwickeln.

Nur im EMMA gibt es die Möglichkeit, entsprechende Werkstätten nutzen zu können. Daher ist Pforzheim derzeit für mich logistisch nach wie vor die beste Stadt für Schmuckschaffende.

Vielen Dank für das interessante Gespräch Herr Fischer.

Mehr Informationen zu den Arbeiten von Herrn Fischer und den weiteren bisherigen Stipendiaten finden Sie, liebe Leserinnen und Leser unter Stipendium im Museum.

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