Gold ist nicht gleich Gold. Die meisten Menschen denken bei Gold an einen klassischen, satten Gelbton. Tatsächlich umfasst das Edelmetall jedoch ein breites Farbspektrum – von Champagnergold und Grüngold über intensive Rotgoldtöne bis hin zu außergewöhnlichen Farben wie Purpur oder Blau.
Für Schmuckhersteller, Uhrenmarken und Designer werden Sonderfarben von Gold zunehmend zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal. Individuelle Goldlegierungen schaffen Wiedererkennungswert, stärken die Markenidentität und eröffnen neue gestalterische Möglichkeiten.
Was sind Sonderfarben von Gold?
Unter Sonderfarben von Gold versteht man Goldfarben, die von den international genormten Standardfarben abweichen. Die Standardfarben sind in der DIN EN ISO 8654 definiert und werden häufig auch als Schweizer Normfarben bezeichnet. Dadurch ist beispielsweise eindeutig festgelegt, welche Farbe unter einem bestimmten Roségold- oder Rotgoldton zu verstehen ist.
Mehr über die Normfarben erfahren Sie in unserem Beitrag „Die standardisierten Farben der Goldlegierungen“.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Oberflächenbeschichtungen: Wird Schmuck durch Galvanisieren, PVD oder andere Verfahren eingefärbt, verändert sich lediglich die Oberfläche. Sonderfarben im eigentlichen Sinn entstehen dagegen durch die Materialfarbe der Goldlegierung selbst.
Gerade diese Materialfarbe macht individuelle Goldlegierungen besonders interessant: Sie vereinen gestalterische Freiheit mit hoher Materialkompetenz und vermitteln Exklusivität bereits auf den ersten Blick.
Wie entstehen unterschiedliche Goldfarben?
Die Farbe einer Goldlegierung entsteht durch die gezielte Kombination verschiedener Metalle. Neben Gold spielen vor allem Silber und Kupfer die entscheidende Rolle. Durch ihre unterschiedlichen Anteile lassen sich zahlreiche Farbnuancen erzeugen.
Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwei Materialgruppen:
- Goldlegierungen
- intermetallische Verbindungen (Intermetallics)
Diese unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Farbgebung als auch ihrer Materialeigenschaften erheblich.
1. Goldlegierungen: Die größte Vielfalt für die Schmuckherstellung
Goldlegierungen bestehen überwiegend aus Gold und werden mit weiteren Metallen legiert. Dadurch bleiben die typischen Eigenschaften des Edelmetalls erhalten:
- hoher Glanz
- gute Verformbarkeit
- hervorragende Verarbeitbarkeit
- hohe Korrosionsbeständigkeit
- dauerhafte Farbwirkung
Aus diesem Grund eignen sich Goldlegierungen gleichermaßen für den Goldschmied wie für die industrielle Schmuckproduktion.
Welche Farben sind mit Goldlegierungen möglich?
Die Farbpalette klassischer Goldlegierungen reicht von:
- Grüngelb
- Gelbgold
- Champagnergold
- Roségold
- Rotgold
- intensiven Rottönen
Die möglichen Farbtöne bilden dabei einen charakteristischen „Fächer“. Weiß, Grüngelb und Rot markieren die äußeren Grenzen.
Blaues oder kräftig grünes Gold lässt sich durch klassische Goldlegierungen dagegen nicht herstellen. Der Grund liegt in den physikalischen Eigenschaften der beteiligten Metalle: Diese absorbieren genau jene Lichtanteile, die für intensive Blau- oder Grüntöne erforderlich wären.

Das Lab*-Farbsystem macht Goldfarben messbar
Die verschiedenen Goldfarben lassen sich objektiv im L*a*b*-Farbsystem darstellen, dem weltweit wichtigsten Farbmesssystem.
Dabei beschreibt:
- L* die Helligkeit,
- a* die Rot-Grün-Achse,
- b* die Gelb-Blau-Achse.
Die in der DIN EN ISO 8654 definierten Normfarben – beispielsweise 5N für Rotgold – lassen sich darin eindeutig positionieren.
In Abbildung 1 sind zusätzlich die Farbwerte der reinen Metalle Gold, Silber und Kupfer dargestellt. Während Gelbgrün und Blassgelb typische 585er-Legierungen (14 Karat) sind, entsprechen die übrigen dargestellten Farben 750er-Legierungen (18 Karat).
Welche Metalle beeinflussen die Goldfarbe?
Die Farbentwicklung folgt einigen einfachen metallurgischen Zusammenhängen:
- Je höher der Goldanteil, desto intensiver wird der Gelbton. Reines Feingold besitzt das kräftigste Gelb.
- Mit steigendem Kupferanteil verschiebt sich die Farbe zunehmend in Richtung Rot.
- Silber hellt Goldlegierungen auf und reduziert die Farbsättigung.
- Niedrigere Goldgehalte – beispielsweise bei 8-Karat-Legierungen – können durch hohe Silberanteile nahezu weiß erscheinen.
Neben Silber und Kupfer beeinflussen weitere Legierungselemente ebenfalls die Farbe. Den stärksten Einfluss besitzen jedoch Gold und Kupfer, da sie die einzigen deutlich farbigen Metalle innerhalb der Legierung darstellen.
Grüngold und individuelle Sonderfarben
Ein bekanntes Beispiel ist Grüngold. Es entsteht durch den weitgehenden Verzicht auf Kupfer. Dadurch verschiebt sich die Farbe in Richtung Gelbgrün.
Allerdings sinkt gleichzeitig die Härte der Legierung deutlich. Zwischen Farbwirkung und Materialeigenschaften muss deshalb stets ein ausgewogenes Verhältnis gefunden werden.
In den vergangenen Jahren haben sich zudem zahlreiche Zwischentöne etabliert. Dabei spielt insbesondere die Helligkeit eine wichtige Rolle. Bereits geringe Veränderungen können die subjektive Farbwahrnehmung deutlich verändern – ein dunkleres Rot erscheint beispielsweise wesentlich wärmer oder leicht bräunlich.
Ein bekanntes Beispiel stammt aus der Schweizer Uhrenindustrie: Rolex entwickelte eine Gold-Kupfer-Platin-Legierung, deren Ziel eine besonders hohe Farbstabilität gegenüber Umwelteinflüssen war. Die Legierung weist einen dunkleren Rotgoldton auf und wurde als eigenständige Markenfarbe etabliert.
Auch zahlreiche Trauringhersteller setzen heute auf individuelle Goldfarben außerhalb der klassischen Normfarben, um sich klar vom Wettbewerb abzuheben.
2. Intermetallische Verbindungen: Außergewöhnliche Farben mit besonderen Eigenschaften
Neben klassischen Goldlegierungen existieren intermetallische Verbindungen. Dabei handelt es sich um feste chemische Verbindungen aus Gold und einem weiteren Metall in einem exakt definierten Atomverhältnis.
Im Gegensatz zu Goldlegierungen sind diese Materialien:
- sehr hart,
- ausgesprochen spröde,
- nur eingeschränkt bearbeitbar.
Sie besitzen deshalb Eigenschaften zwischen Metall und Keramik.
Purpurgold (AuAl2)
Das bekannteste Beispiel ist Purpurgold (AuAl2).
Hier verbinden sich Gold und Aluminium im Verhältnis 1 : 2. Die charakteristische purpurrote Farbe entsteht nicht durch Pigmente oder Legierungsanteile, sondern durch die besondere Kristallstruktur der Verbindung.
Purpurgold lässt sich jedoch nicht walzen oder ziehen. Aufgrund seiner hohen Sprödigkeit wird es überwiegend als dekorative Einlage in hochwertigen Schmuckstücken verwendet.
Blaues Gold
Auch blaues Gold ist möglich – allerdings nicht als klassische Goldlegierung.
Intermetallische Verbindungen wie:
- AuGa2 (Gold-Gallium)
- AuIn2 (Gold-Indium)
zeigen eine blaue Eigenfarbe. Gleichzeitig weisen sie jedoch dieselben materialbedingten Nachteile auf:
- hohe Sprödigkeit,
- eingeschränkte thermische Stabilität,
- teilweise Korrosionsanfälligkeit,
- Goldgehalte außerhalb der üblichen Karatlegierungen.
Aus diesen Gründen eignen sich intermetallische Verbindungen nur für sehr spezielle Anwendungen im Schmuckdesign.
Warum Sonderfarben von Gold für Marken immer wichtiger werden
Im Premiumsegment geht es längst nicht mehr ausschließlich um den Goldgehalt. Immer häufiger entscheidet die Farbe der Goldlegierung über den Wiedererkennungswert einer Marke.
Individuelle Sonderfarben bieten dabei mehrere Vorteile:
- unverwechselbare Markenidentität
- exklusive Designs, die sich von Standardlegierungen abheben
- höhere Wiedererkennbarkeit von Schmuckkollektionen
- individuelle Gestaltungsmöglichkeiten für anspruchsvolle Kunden
- technische Kompetenz als sichtbares Qualitätsmerkmal
Gerade im Luxussegment wird die Goldfarbe zunehmend Teil der Markenstrategie.
Fazit: Sonderfarben von Gold erweitern die Möglichkeiten
Sonderfarben zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig Gold tatsächlich ist.
Während sich bei klassischen Goldlegierungen durch die gezielte Variation von Gold, Silber und Kupfer nahezu jede Nuance zwischen Grüngelb und Rot realisieren lässt, ermöglichen intermetallische Verbindungen sogar außergewöhnliche Farben wie Purpur oder Blau. Diese gehen jedoch mit deutlichen Einschränkungen bei der Verarbeitbarkeit einher.
Für Schmuck und Uhrenhersteller eröffnen individuelle Goldfarben neue Möglichkeiten, sich dauerhaft vom Wettbewerb zu differenzieren und eine unverwechselbare Designsprache zu entwickeln.
Sie möchten tiefer in die Thematik einsteigen? In unserem Legierungsguide Farbgold finden Sie detaillierte Informationen zu Zusammensetzung, Härte, Schmelzverhalten und den Eigenschaften verschiedener Goldlegierungen.
