Silberdraht mal ganz anders eingesetzt – Interview mit Dabin Lee

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Silberdraht ist ein fester Bestandteil der Hilfsmittel eines jeden Goldschmiedes. Sei es in der Schmuckgestaltung oder bei der Schmuckreparatur, Silberdraht kommt stetig zum Einsatz. Schmuckdesignerin Dabin Lee aus Belgien, derzeitige Stipendiatin der „Designer in Residence“ am EMMA Kreativzentrum Pforzheim, hat den Schritt gewagt mit Silberdraht zu experimentieren und ihn außerhalb seiner gewöhnlichen Verwendungszwecke im sogenannten dem Tufting einzusetzen. Dabei legt sie den Fokus ihrer Arbeit klar auf die Thematik der Umweltverschmutzung.

Das Ergebnis ist verblüffend.

Dabin, könntest du die Technik der Teppichherstellung, dem Tufting, näher beschreiben?

Tufting ist die Technik, bei der ein Fadenbündel U-förmig durch das Material gepresst wird. Je nachdem, ob die einzelnen Fäden kurz geschnitten oder länger belassen werden, können die Bündel beliebig verändert werden. Wenn man die Bündel in verschiedenen Farben nebeneinander tuftet, entstehen Zeichnungen, sowie wie man sie von Teppichmustern kennt.

Wieso hast du dich entschieden, bei dieser Technik Silberdraht zu verwenden?

Silber ist ein sehr weiches Metall. Ich wollte mich der Herausforderung stellen, einen dickeren und weicheren Silberdraht anstelle des sehr dünneren Kupferdrahts zu verwenden, mit dem ich zuvor gearbeitet habe. Außerdem bekräftigt der Silberdraht das Konzept meiner Arbeit: Die Farbe des Silberdrahtes ist sehr rein, glänzend und leicht. Ich habe ihn eingesetzt, um das Abbild einer Möwe zu tuften, welches sich durch die hervorragende Beschaffenheit des Silbers gut vom Hintergrund hervorhebt. Somit ist der wertvollste Teil meiner Tufting-Arbeit die silberne Möwe. Die restlichen farbigen Drähte sind aus Kupfer.

Wie tuftet man mit Silberdraht?

Der Silberdraht wird in ein schönes Design getuftet. Aufgrund seiner Dicke bleibt mehr Platz zwischen den einzelnen Fäden. Auf diese Weise wirkt das Bild ein bisschen transparenter, bleibt aber trotzdem immer noch sehr hell. Einen solchen Effekt konnte ich bisher mit anderen Drähten nicht erzielen.

Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Mit der Tufting-Technik hat es von Anfang an sehr gut geklappt und mit dem Silberdraht konnte ich neue Möglichkeiten für eine Arbeit entdecken.

Finales Werk, Copyright EMMA Kreativzentrum Pforzheim, Foto: Winfried Reinhardt

In deinen Arbeiten gehst du viel auf die Thematik der Umweltverschmutzung ein. Wieso hast du dich dafür entschieden und wie lange beschäftigst du dich schon damit?

Als zeitgenössische Schmuckdesignerin glaube ich, dass Schmuck mehr als nur etwas Schönes sein kann, er geht über luxuriöse tragbare Objekte hinaus. Mit der Gestaltung meiner Schmuckstücke habe ich die Chance, eine Botschaft an die Öffentlichkeit zu vermitteln.

Ich halte es heutzutage für sehr wichtig, das politische Bewusstsein durch Kunst, Schmuck und Design zu fördern. Umso mehr war ich  erfreut, das Familienunternehmen C. Hafner mit seinen nachhaltigen Einsatz von Edelmetallen kennenzulernen. Es ist sehr wichtig, das bereits vorhandene Edelmetall zu recyceln und ihn wieder in den Wertstoffkreislauf zu bringen. Ich freue mich, dass Künstler und Unternehmen dieselbe Vision einer nachhaltigeren Welt teilen können.

Vielen Dank für das Interview, Dabin. Wir sind sehr gespannt auf deine finalen Arbeiten bei der Vernissage am 27. Juni um 19 Uhr im EMMA Kreativzentrum Pforzheim.  

Die Arbeit von Dabin Lee wird am 28. Juni bis 7. Juli 2019 im EMMA Kreativzentrum Pforzheim und von 17.Oktober bis 17. November 2019 in Haus der Wirtschaft in Stuttgart ausgestellt. 

Dabin Lee, geboren 1991 in Südkorea, lebt aktuell in Belgien, wo sie ihren Master in Schmuckdesign, Gold- und Silberschmiedekunst an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen (SEIN) absolvierte. Dabin Lee beschäftigt sich mit sozialen Problemen und Alltagsfragen in unserer Gesellschaft. Ihre grellen, humorvollen und farbenfrohen Werke transportieren eine Botschaft und bringen den Betrachter dazu, ihre eigene Wahrnehmung und Meinung zu überdenken.

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