Gold – Warten auf Donald Trump?

Trumps Wahl: Wie entwickelt sich der Goldkurs

Gut zwei Monate ist es nun her, dass Donald Trump zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Nach überraschenden Kursverlusten direkt nach der Wahl, konnte sich der Goldkurs zu Jahresbeginn wieder etwas erholen. Nichtsdestotrotz liegt dieser noch unter dem Niveau von vor der Präsidentenwahl.

Seit Trumps Antrittsrede ist an den Finanzmärkten jedoch ein Zögern zu erkennen. Sowohl bei den Aktien als auch den Rohstoffen gibt es nur minimale Schwankungen. Es scheint als habe Trump mit seiner aggressiven Rede die Märkte verunsichert und man möchte abwarten, was der neue Präsident als nächstes tut. In der Regel profitiert der Goldkurs in solchen Zeiten der Unsicherheit, aber auch hier ist zuletzt eine seltsame Lethargie zu erkennen.

Interessant ist zu beleuchten, wie sich der Goldkurs in den Jahren, in denen ein neuer Präsident vereidigt wurde, entwickelt hat. Seit Abschaffung des Gold-Standards im Jahre 1971 wurden sieben neue Präsidenten gewählt. Die Kursgewinne lagen in den Folgejahren bei 14,8 Prozent. In Jahren ohne Amtseinführung lagen die Kursaufschläge lediglich bei 8,4 Prozent. Völlig konträr verliefen hingegen die US-Börsen. Diese verloren durchschnittlich 0,9 Prozent ihres Wertes nach einer Amtseinführung. In „gewöhnlichen“ Jahren verzeichneten die Börsen 9,0 Prozent Zuwachs.

Hierfür gibt es sicherlich unterschiedliche Erklärungen, am plausibelsten ist dies jedoch mit der Enttäuschung der Bürger über die Politik des Neugewählten zu erklären. Wird im Wahlkampf noch „das Blaue vom Himmel“ versprochen, mussten die Präsidenten im Amt schnell erkennen, dass viele Wahlkampfversprechen nur sehr schwer zu realisieren sind.

Dieses Szenario könnte auch Donald Trump sehr schnell einholen. Bekanntlich hat in der Geschichte der USA niemand einen ähnlich lauten Wahlkampf geführt als Trump. Nun muss er liefern! Seine Anhänger, seine Gegner und vor allem die von ihm attackierten Medien werden genau hinschauen, was Trump umsetzen wird.

Das Jahr 2017 verspricht aber nicht nur über dem Teich eine große Spannung. Nach der überraschenden Abstimmung zum Brexit im vergangenen Jahr, stehen weitere richtungsweisende Wahlen für die europäische Union bevor. Bei der Parlamentswahl in den Niederlanden am 15. März und in Frankreich am 23. April scheint es nur noch darum zu gehen, wie groß der Vorsprung der rechtspopulistischen Parteien sein wird. Sollten sie sich durchsetzen, wollen sie Ihre jeweiligen Länder aus der EU führen. Dies wäre der Anfang vom Ende der Union und der Goldpreis würde wohl deutlich ansteigen.

Nach dem turbulenten Jahr 2016, verspricht auch 2017 ein spannendes Jahr für Gold zu werden. Wir rechnen auf Jahressicht mit etwas höheren Kursen, auf jeden Fall wird es erneut größere Schwankungen geben.

Zu Beginn des neuen Jahres lohnt es sich einen Blick auf das Währungspaar EUR/USD zu werfen. Die Politik Trumps wird mit Sicherheit auch den US-Dollar beeinflussen, es gibt aber weitere Gründe und Ursachen die in 2017 Einfluss auf den Wechselkurs haben werden.

In Europa schauen viele mit sorgenvoller Miene nach Italien. Nach dem Rücktritt Matteo Renzis im vergangenen Dezember, drohen für dieses Jahr Neuwahlen. Deren Ausgang wäre völlig ungewiss und könnte für weitere Unruhe in der Eurozone sorgen. Auch die italienischen Banken, allen voran die Bank Monte dei Paschi di Siena, bereiten große Sorgen. Die Europäische Zentralbank hatte einen Kapitalbedarf von 8,8 Mrd. Euro errechnet, ausgelöst durch einen Berg fauler Kredite. Nachdem im Dezember eine private Rettung der Bank gescheitert war, läuft aktuell alles auf eine Verstaatlichung des Instituts hinaus. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur die Spitze des Eisbergs ist und eine erneute Bankenkrise verhindert werden kann. Sollte sich die Bankenkrise ausweiten, was aktuell jedoch noch nicht abzuschätzen ist, würde der Euro unter Druck geraten.

Ein Thema welches uns seit längerem begleitet, ist die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren jeweils eine Zinserhöhung stattfand, hatte deren Chefin Janet Yellen angekündigt, in diesem Jahr gleich mehrere Zinserhöhungen durchzuführen. In Ihrer bekannten Art, zuerst etwas zu verkünden und dann wieder zurückzurudern, hat sie auch diese Aussage bereits wieder kassiert. Es lohnt sich auf jeden Fall die weiteren Statements zu beobachten, da in den vergangenen Jahren die Pressekonferenzen Yellens zu einem deutlichen Erstarken des Dollars geführt hat. Mehrere Zinsschritte in 2017 würden den Kurs wohl unter 1,0000 EUR/USD drücken.

Ihr
Torsten Schlindwein

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