Gold – Physische Nachfrage schwächelt

Gold Nachfrage

Nach den nervenaufreibenden Tagen Ende Juni, als die Finanzmärkte den Austritt der Briten aus der EU verkraften mussten, hat sich im Laufe des Julis das Marktgeschehen wieder beruhigt. Der DAX ist wieder auf dem selben Niveau wie vor dem Brexit, der Euro hat ebenfalls wieder das alte Level, lediglich der Goldpreis notiert etwa 10 Prozent höher als vor dem 23. Juni.

Der Juli war geprägt von nahezu täglichen Meldungen über Terroranschläge und Amokläufen, insbesondere in Frankreich und Deutschland. Auch wenn wir täglich die Horrormeldungen in den Medien verfolgten, die Märkte, so scheint es, haben sich in den letzten Jahren an diese schreckliche Art an Nachrichten gewöhnt.

Die führende einschlägige Marktforschungsgruppe GFMS hat zuletzt wieder ihre vielbeachtete Studie für das erste Halbjahr 2016 veröffentlicht. Trotz des deutlich gestiegenen Goldkurses gab es auf der Angebotsseite kaum Veränderungen. Im Gegensatz zur volkswirtschaftlichen Weisheit, dass bei steigenden Kursen das Angebot steigt, ist dies bei Gold erst mit Verzögerungen festzustellen. Die Minenunternehmen benötigen einige Jahre, um bei steigenden Kursen das Angebot zu erhöhen, da Exploration und Erschließung neuer Minen sehr zeit- und kapitalintensiv ist. Lediglich der Sekundärmarkt, das Edelmetallrecycling, konnte etwas größere Mengen aufgrund des gestiegenen Preises vermelden.

Die Nachfrage nach Gold hatte in der ersten Jahreshälfte, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, deutlich gelitten. Nahezu sämtliche Bereiche haben Nachfragerückgänge vermeldet, ob Schmuckproduktion und Industriefertigung oder Zentralbanken und Barren-/Münzproduktion. Negativ hervorgetan hat sich hier die Nachfrage nach Goldschmuck, gut dreihundert Tonnen weniger als im Vorjahr wurden hier produziert. Dieser Sektor kann noch schneller auf andere, billigere Metalle ausweichen, als etwa andere Anwendungsbereiche.

Dass die Goldnachfrage nicht völlig eingebrochen ist, sind sich einzig und alleine die Gold- ETF´s verantwortlich. Es handelt sich hierbei um sogenannte „Exchange Traded Funds“, Investmentfonds, welche zu großen Teilen mit physischem Gold hinterlegt sind.

Die Mengen die von den ETF´s mittlerweile bewegt werden, sind immens hoch. Im ersten Halbjahr 2016 verzeichneten sie Zuflüsse in Höhe von 586 Tonnen. Die beiden deutschen Platzhirsche „XETRA-Gold“ und „EUWAX-Gold“ haben nach ebenfalls deutlichen Zuflüssen im ersten Halbjahr, mittlerweile physische Bestände in Höhe von mehr als 90 Tonnen. Im internationalen Vergleich ist diese Menge jedoch gering.

Wir erwarten kurzfristig keine nennenswerten Veränderung des Goldkurses, viele Marktteilnehmer sind aktuell in den Ferien und auch die Verhandlungen zum Brexit sollten kurzfristig nichts Überraschendes bringen.

Frühestens im Laufe des Septembers sehen wir wieder Möglichkeiten für größere Schwankungen. Da China und Indien in den ersten sechs Monaten sehr wenig gekauft haben, besteht hier durchaus noch Nachholbedarf.

Ihr
Torsten Schlindwein

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