Gold – Gefahr durch Liquiditätsengpässe

Goldpreis, Corona

In Deutschland und dem Rest Europas scheint es aktuell, als sei der erste Höhepunkt der Covid-19-Pandemie bereits hinter uns. Schulen und Kindergärten haben wieder geöffnet und die sonnenhungrigen Urlauber besteigen wieder die Flieger in Richtung Süden.

Global betrachtet ist dies jedoch ein Trugschluss. Nie zuvor gab es mehr aktive Infizierte als aktuell. Besonders auf dem amerikanischen Kontinent grassiert das Virus.

Auch an der Krisenwährung schlechthin, dem Gold, kann man die bestehende Gefahr ablesen.

Nachdem der Goldpreis in EUR bereits vor einigen Wochen eine neues Allzeithoch aufgestellt hatte und auf dem diesem Niveau weiterhin verbleibt, nähert sich die Notierung in USD ebenfalls dem historischen Rekordhoch von 1.908 $/oz..

In den letzten „Corona-Monaten“ hatten sich etliche Marktteilnehmer verwundert die Augen gerieben. Die steigenden Börsenkurse konnte jedermann in den Zeitungen und Wirtschaftsnachrichten nachvollziehen. Wollte man jedoch physisches Gold erwerben, musste man nicht nur die hohen Goldkurse bezahlen, sondern auf diese wurden noch ungewöhnlich hohe Aufschläge berechnet.

Die Erklärung für die Aufschläge, die sogenannten „premiums“, ist die mangelnde Liquidität im Markt. Ein ähnliches Phänomen trat in den vergangenen Jahren im Palladiummarkt auf, in welchem die Notierungen ebenfalls haussierten und die Leihezinsen sich vervielfachten.

Die Ursachen für die geringe Liquidität im Goldmarkt waren vielfältig, die zwei wichtigsten möchte ich nachfolgend näher beleuchten.

Im März und April gab es nahezu in ganz Europa einen Shut-Down. Betroffen davon waren auch die großen Edelmetallraffinerien in der Schweiz, die für einen Großteil der weltweiten physischen Goldversorgung verantwortlich sind. Wegen der Nähe zum temporären Epi-Zentrum in Norditalien, mussten diese einige Wochen ihre Tore schließen und es konnte kein Gold angeboten werden. Wegen der gleichzeitigen Unsicherheit hatten die Investoren jedoch großen Appetit auf Goldanlagen. Alleine die ETF`s hatten in diesen beiden Monaten Zuflüsse in Höhe von 329 Tonnen Gold. Es gab eine absoluten „Käufermarkt“. Das bedeutet, dass viele Marktteilnehmer kaufen wollten, verkaufen hingegen so gut wie niemand. Nach der Öffnung der Schweizer Scheideanstalten hat sich diese Problematik größtenteils wieder aufgelöst.

Ein weiterer wichtiger Grund für die mangelnde Liquidität im Goldhandel war der deutlich reduzierte Flugverkehr und seine Auswirkungen. In gewöhnlichen Zeiten sind die Handelsmärkte in London (Zentrum des physischen Handels) und New York (spezialisiert auf Future-Handel) eng miteinander verzahnt, die Notierungen nahezu identisch. Um Positionen auszugleichen wird regelmäßig physisches Gold hin- und hergeflogen. Da es  täglich Dutzende Flüge gibt – in der Regel auch kein Problem.

Aufgrund der Pandemie kamen die transatlantischen Flüge zuletzt jedoch beinahe zum Erliegen. Die Banken konnten die offenen Positionen kaum schließen bzw. mussten teuer Gold zukaufen. Zu bestimmten Lieferterminen lag der Preis für eine Feinunze Gold um 90 USD höher als in London. Laut dem „Handelsblatt“ verlor alleine die HSBC im Mai ca. 200 Mio EUR auf diese Weise.

Zur Folge hatte dies, dass unmittelbar einige Banken bekanntgaben, sich vom Edelmetallgeschäft zurückzuziehen bzw. die Aktivitäten deutlich zu reduzieren. Dies kann künftig zu einer weiteren Einschränkung der Liquidität führen.

In den letzten Wochen haben sich die Aufschläge auf den Goldpreis weitestgehend wieder stabilisiert. Der Markt und insbesondere die Banken sind jedoch sensibilisiert. Eine weitere Verschärfung der Pandemie könnte erneut zu Lieferengpässen und hohen Aufgeldern führen.

Wir sehen den Goldpreis über den Sommer eher stabil. Im Laufe des Herbstes wird sich dann entscheiden wie die Pandemie sich weiter entwickelt und  folglich auch, in welche Richtung der Goldpreis läuft. 

Palladium: Der Krisen-Verlierer

Der Kursgewinner der Edelmetalle war in den letzten Jahren stets  Palladium. Immer weiter überstieg die Nachfrage das Angebot, die Experten erwarteten frühestens für 2025 ein Gleichgewicht.

Dann kam für alle unerwartet die Corona-Krise und alle Prognosen mussten über Bord  geworfen werden. Am 20. Februar, also kurz vor dem großen Ausbruch des Virus, notierte der Palladiumkurs bei über 80,00 EUR/g, aktuell lediglich noch bei ca. 55,00 EUR/g.

Die Nachfrage für das Platingruppenmetall wird größtenteils aus der Automobilbranche generiert. Diese war ebenfalls etliche Wochen vom Shut-Down betroffen und es wurden keine Autos produziert.

Heute läuft die Produktion zwar wieder, doch aufgrund der ungewissen Zukunft, steigender Arbeitslosigkeit und vieler Menschen in Kurzarbeit, entscheiden sich aktuell deutlich weniger Menschen für eine Anschaffung eines Neuwagens.

Wir sehen erstmal keine nennenswerte Erholung der Fahrzeugbauer und somit wird es auf absehbare Zeit keine Palladiumnotierungen auf dem Niveau von Februar mehr geben.

Möchten Sie mehr über die Entwicklung vom Silberpreis erfahren? Lesen Sie hier unsere aktuelle Fokus Edelmetall Ausgabe.