Gold: Die Kurse steigen und steigen

Wie bereits im Vormonat, können wir an dieser Stelle erneut über deutlich gestiegene Kurse berichten. Seit Jahresbeginn ist der Preis für das Metall um über 5,00 EUR/g gestiegen und liegt auf dem höchsten Niveau seit April 2015. Aktuell sind große Parallelen zum Vorjahr zu erkennen, als der Kurs ebenfalls im ersten Quartal deutlich zulegen konnte. Der starke Anstieg hat diverse Auslöser, der gravierendste ist jedoch die schwache Performance der Aktienmärkte in den ersten Wochen des neuen Jahres. Sämtliche Börsen sind mittlerweile weit entfernt von den Höchstständen des vergangenen Jahres. Seit 2011 kamen immer wieder Stimmen auf, Gold hätte seinen Status als „sicherer Hafen“ verloren, da trotz zahlreicher Krisen der Goldpreis nicht in Fahrt kam. Nun entdecken die Investoren das Metall erneut und es scheint als könnte die Erfolgsgeschichte der 2000er Jahre fortgeschrieben werden. Noch befindet sich zumindest die westliche Welt nicht in der Krise, in den letzten Wochen trübten sich jedoch etliche Konjunkturdaten und -prognosen ein.

Diese negativen Wirtschaftsdaten haben auch Auswirkungen auf die Erwartung weiterer Zinsanhebungen. In Euroland wurde darüber ohnehin nicht nachgedacht, für die USA wurde jedoch für das erste Halbjahr zumindest ein weiterer Zinsschritt erwartet. Die Fed-Chefin Janet Yellen wird sich jedoch nicht vorwerfen lassen wollen, die Konjunktur abgewürgt zu haben. Daher wird in den nächsten Monaten an der Zinsschraube wohl nicht gedreht, was positiv für den Goldkurs sein sollte.

Besonders die Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben weiterhin großen Appetit auf Gold. Allein Russland und Kasachstan haben im Januar 25 Tonnen Gold gekauft.

Neben den bereits erwähnten, gibt es etliche weitere Gründe die für einen nachhaltigeren Preisanstieg als im letzten Jahr sprechen. Kurzfristig wird eine Korrektur, als Folge des schnellen Anstieges der letzten Woche, immer wahrscheinlicher. Sollte es in der nächsten Zeit jedoch weitere Anzeichen für eine schwächere Wirtschaft geben, wird der Kurs weiter steigen. Mittelfristig sind dann auch Kurse wie 2011 und 2012, jenseits von 40,00 EUR, im Bereich des möglichen.

Eine immer größere Rolle am Goldmarkt spielt das „Reich der Mitte“. Der weltweit größte Goldkonsument ist seit 2008 auch der größte Goldförderer. Es gab schon seit längerem Gerüchte, dass China mit einem eigenen Fixing in Konkurrenz zum London-Fixing treten möchte.

Nun wurde der Start für den 19. April bekannt gegeben. Die Preisfeststellung soll künftig in Renminbi sein und vorerst sollen lediglich zehn einheimische Banken als „Marketmaker“ zugelassen werden.

Es gibt jedoch bereits Pläne, dass künftig auch internationale Banken aufgenommen werden. Um sich als Global Player zu etablieren ist dies alternativlos, da der Goldmarkt global ist und der internationale Austausch eine Selbstverständlichkeit.

Wir sehen den Shanghai-Goldpreis jedoch nicht als Gefahr für das London-Fixing, da der Renminbi weiterhin nicht völlig frei handelbar ist. Des Weiteren haben sich zuletzt einige chinesische Banken an der Preisbildung in London beteiligt, was durchaus als Vertrauensbeweis angesehen werden kann.

Der Einfluss Chinas auf den Goldpreis wird aber weiter steigen. Ob und wie die Auswirkungen auch Europa betreffen, bleibt abzuwarten.

Mehr zu Entwicklungen im Edelmetallmarkt finden Sie unter Fokus Edelmetall.

Ihr
Torsten Schlindwein

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