Gold – Die Auswirkungen der Leitzinserhöhung in den USA

Seit mehr als einem Jahr wurde darüber geredet, angekündigt und am Ende doch wieder verschoben. Am 16.12.2015 wurde nun allerdings geliefert. Die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, verkündete die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren und damit die erste seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Die Erhöhung hat vor allem auch einen symbolischen Charakter, da die Federal Bank damit ausdrücken möchte, dass man die Krise und besonders deren wirtschaftliche Folgen nun im Griff hat und man zur geldpolitischen Normalität zurückkehrt.

Interessant ist es nun, die Auswirkungen dieser historischen Entscheidung zu beleuchten.

Der US-Dollar wurde gestärkt; viele institutionelle Anleger ziehen ihr Geld aus anderen Währungen ab und investieren in den „Greenback“. Für die Euro-Länder hat dies den positiven Nebeneffekt, dass ihre Exportgüter in den USA günstiger werden. Dramatisch ist dies allerdings für die Schwellenländer, die in den vergangenen Jahren von den Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten profitiert haben. Länder wie beispielsweise Brasilien oder Russland, die aktuell mit vielen „hausgemachten“ Problemen zu kämpfen haben, müssen nun auch noch den Abfluss großer Liquiditätsmengen verkraften. Sie sind eindeutig die Verlierer der aktuellen Zinspolitik.

Welche Auswirkungen hat die Zinserhöhung aber auf den Goldmarkt? Die klassische Volkswirtschaftslehre besagt, dass steigende Zinsen die Inflationsgefahr bremst. Für Gold, als Inflationsschutz Nummer eins, bedeutet dies fallende Kurse.

Dass Theorie und Praxis nicht immer übereinstimmen, können wir in der aktuellen Situation erkennen. Knapp einen Monat nach der Zinserhöhung ist der Preis für Feingold etwa 1 EUR/g gestiegen. Dies liegt zum einen daran, dass der Markt die Erhöhung bereits erwartet hat und somit vieles bereits eingepreist war. Der weitaus wichtigere Aspekt ist jedoch die Gewissheit des Marktes nach langem Warten auf eine Entscheidung der Zentralbank.

Eine weitere wichtige Frage wird sein, wie die weitere Zinspolitik aussehen wird. Wir erwarten auf absehbare Zeit keine dramatischen Zinsanhebungen, weder in den USA noch in Europa. Komplett ausschließen kann man ein Zinsniveau von 3-4 Prozent, wie wir es vor der Krise hatten. Hierzu sind die Staaten, Länder und Kommunen zu stark verschuldet und selbst ein Anstieg auf ein Prozent (was mehr als eine Verdopplung der aktuellen Zinslast bedeuten würde) könnte kurzfristig zum Ausfall von Staaten oder Institutionen führen. Daher werden die Notenbanken auch künftig mit Bedacht und äußerster Vorsicht über die Zinspolitik entscheiden.

Ihr
Torsten Schlindwein

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