Fokus Edelmetall:
Goldkurs – Die Gunst der Stunde

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Goldkurs – Die Gunst der Stunde

Der Goldkurs notiert weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Nach dem Kursrutsch Mitte des Jahres, nutzen weiterhin viele Marktteilnehmer das aktuelle Niveau, um günstig Gold zu kaufen. Insbesondere Privatkunden deckten sich zuletzt mit Goldbarren ein. Die Verkaufszahlen von Münzen und Barren waren so stark wie seit langem nicht mehr. Dies ist besonders bemerkenswert, da die Sommermonate Juli und August normalerweise als „Saure-Gurken-Zeit“ in der Branche verpönt sind.

Aber nicht nur für Privatanleger und Numismatiker bieten sich aktuell Chancen auf attraktive Kurse. Viele Schmuckproduzenten und andere Edelmetall verarbeitenden Unternehmen nutzen die aktuelle Talsohle, um den Bedarf für die kommenden Monate kurstechnisch abzusichern.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten dies zu tun. Die gängigste ist ein sogenanntes Termingeschäft (Forward) abzuschließen. Die Basis für diesen Kauf auf Termin ist der aktuell niedrige Spotkurs. Hinzu kommt lediglich ein geringer Aufschlag, der abhängig von der Laufzeit ist.

Die Türkei unter Druck

Eine besonders angespannte Situation erleben momentan die knapp 80 Millionen Türken in ihrem Land. Durch die dramatische Abwertung der Türkischen Lira, werden Importprodukte, die in Euro oder US-Dollar fakturiert werden, immer teurer, viele gar unerschwinglich. Daneben stieg die Inflationsrate auf mittlerweile 24,5 Prozent und nimmt ebenfalls dramatische Züge an.

Der Einfluss der Krise in der Türkei auf den Goldkurs.

Zuletzt wurde vermeldet, die türkische Zentralbank hat sich von deutlich mehr als 100 Tonnen Gold getrennt. Es scheint als benötigt man dringend Liquidität, um die Folgen der Krise einzudämmen. In den vergangenen Jahren galt die Nation, neben Russland und China, noch als weltweit größter Goldkäufer, mit dem Ziel die Währungsreserven zu diversifizieren.

Gewiss kann die Türkei mit Goldverkäufen ihre Probleme nicht eindämmen bzw. langfristig finanzieren, für die Goldnotierungen kann der Wechsel von der Käufer auf die Verkäuferseite Auswirkungen haben. Sollten die Verkäufe mittelfristig in diesen Dimensionen weitergehen, wird dies durchaus Potenzial haben, den Goldkurs zu schwächen. Zumal die aktuelle Situation der Türkei sinnbildlich auch für andere Schwellenländer wie beispielsweise Brasilien oder Argentinien gesehen werden kann. Unter anderem wegen der Zinserhöhungen in den USA, gerieten diese Länder zuletzt zunehmend unter Druck. Für die weltweite Konjunktur bleibt zu hoffen, dass die Probleme in diesen Ländern in den nächsten Monaten und Jahren eingedämmt werden können.

Wir gehen von einem spannenden Verlauf der Notierung bis Jahresende aus. Ob es zu nennenswerten größeren Kursgewinnen kommt bleibt abzuwarten, wir gehen jedoch von deutlich größeren Kursschwankungen, aus als in den letzten Monaten.

Palladium/Platin – Palladium auf Rekordjagd

Viele dachten nach den großen Kursgewinnen des Palladiumpreises in 2017 und der Konsolidierung zur Mitte diesen Jahres, dass sich der Palladiummarkt etwas beruhigt hat. Die Experten wurden jedoch Lügen gestraft. Seit Mitte August stieg die Notierung von unter 26,00 €/g auf zeitweise über 30,00 €/g. Diese Hürde wurde erstmals seit Anfang des Jahrtausends wieder gerissen.

Der Einfluss der Automobilindustrie

Der Anstieg liegt weiterhin an der stabilen Automobilkonjunktur. Auch wenn alle Welt vom Umstieg auf Elektroantriebe redet und träumt, die Realität zeigt, dass aktuell mehr Fahrzeuge denn je mit Verbrennungsmotoren verkauft werden.

Nach wie vor unter Druck sind die Verkaufszahlen der Dieselfahrzeuge. Erst letzte Woche gab der schwäbische Luxuswagenhersteller Porsche bekannt, dass er künftig komplett auf Dieselantriebe verzichten wird. Gerade für die dieselgetriebenen Fahrzeuge, und besonders für deren Katalysatoren, werden die größten Mengen an Platin nachgefragt. Nun, da diese Nachfrage in Folge der Dieselkrise immer weiter einbricht, kommt auch die Platinnotierung nicht auf die Beine.

In der Vergangenheit wurde Palladium in der Regel als Nebenprodukt in Platin- und Kupferminen gefördert. Dies könnte sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten jedoch ändern. Durch den Preisanstieg könnte gezielter nach Palladium gesucht und vor allem abgebaut werden und in Folge wäre dann Platin nur noch „Beimetall“ beim Palladiumabbau.

EUR/USD – Die Fed dreht an der Zinsschraube

Die US-Konjunktur brummt, die US-Aktien eilen von einem Rekord zum nächsten und als Reaktion wurden die Leitzinsen zuletzt auf einen Korridor von 2,00 und 2,25 Prozent angehoben. Mittlerweile wird damit gerechnet, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate auf mindestens 3,00 Prozent erhöht wird, eventuell sogar noch ein wenig mehr.

Wie bereits erwähnt, bringt diese Entscheidung etliche Währungen von Schwellenländer unter Druck. In der Vergangenheit wurde in deren Währungen investiert. In der Hoffnung auf Rendite, wurden die Risiken in diesen Ländern in Kauf genommen.

Nun hat sich die Situation aber komplett gedreht, nach der langen Niedrigzinsphase in den USA gibt es nun wieder attraktive Renditen auf Anleihen und dies verbunden mit deutlich weniger Risiko als in den Schwellenländern. Als Folge werden die Investments von dort abgezogen – es sei denn diese Länder sind bereit, deutlich höhere Zinsen zu zahlen.

So erhöhte die Türkei zuletzt den Leitzins um 6,25 % auf nun 24 Prozent. Jeder „Häuslebauer“ kann sich vorstellen, was es bedeutet solche Zinsraten für eine Finanzierung zahlen zu müssen.

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