Gold: Die Folgen der Einführung des neuen Shanghai-Fixings

Die Volksrepublik China ist der weltweit größte Produzent von Gold und der größte Käufer ist das Reich der Mitte ebenfalls. Der Großteil des Welthandels wird trotzdem nach wie vor in London abgewickelt und auch die Preisbildung findet in London in US-Dollar, britischem Pfund sowie dem Euro statt.

Wie in vorangegangenen Ausgaben bereits berichtet, versuchen die Chinesen dies nun allerdings zu ändern, zumindest aber einen großen Teil des Kuchens abzubekommen.

Am 19. April wurde von der Shanghai Gold Exchange nun erstmals der neue Gold-Referenzpreis veröffentlicht. Insgesamt nehmen an der der Ermittlung des Kurses zehn chinesische Banken, zwei ausländische Banken, sowie sechs Produzenten teil.

Das erste Fixing lag bei 256,92 Yuan. Und genau das könnte auch das Problem sein! Nicht der Kurs an sich, sondern die Notierung in Yuan. Die chinesische Währung unterliegt etlichen Restriktionen und ist auch weiterhin nicht frei konvertierbar. Für internationale Händler stellt dies ein großes Problem dar.

Internationale Handelsgeschäfte werden deshalb vorerst wohl weiterhin zu großen Teilen in London abgewickelt werden. Zwar ist auch der chinesische Inlandsmarkt interessant, inklusive Futures und Optionen wurden 2015 über 34.000 Tonnen Gold gehandelt, allerdings wird sich China in absehbarer Zeit wohl weiter öffnen. Wir gehen davon aus, dass die chinesische Währung weiter liberalisiert wird und wir können uns auch gut vorstellen, dass zur Notierung in Yuan mittelfristig auch eine Notierung in US-Dollar hinzukommt.

Mit Sicherheit wird sich der Wettbewerb zwischen Shanghai und London in den nächsten Jahren intensivieren. Nicht aufzuhalten ist jedoch der Trend, dass sich die Gewichte im globalen Goldhandel immer weiter Richtung China verschieben. So plant aktuell der chinesische Goldhandelsverband, zusammen mit der Commercial Bank of China (ICBC) in der Freihandelszone Qianhai ein neues Goldhandelszentrum. Für umgerechnet 110 Mio EUR soll das größte Edelmetalllager der Welt gebaut werden, mit dem Ziel die Umschlagplätze Hongkong, Shanghai, Shenzen und Macau zu verknüpfen.

Ihr
Torsten Schlindwein

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