Berufsbilder Goldschmied und Uhrmacher im Wandel: Im Gespräch mit Herrn Dr. Kiefer

Beruf Goldschmied und Uhrmacher

Nach rund 250 Jahren blickt die Goldschmiede- und Uhrmacherschule in Pforzheim auf eine sehr lange Traditionsgeschichte zurück. Sie gilt als eine unikate Berufsfachschule für Goldschmiede und Uhrmacher europaweit, da sie neben dem handwerklichen auch stark das kreative Denken fördert. Im Interview mit dem Schulleiter Herrn Dr. Kiefer möchten wir über die aktuelle Entwicklung bei den Berufsbildern und auch mehr über die Fachschule selbst erfahren.

Der technologische Wandel übt einen großen Einfluss auf alle handwerklichen Berufe aus, auch auf die Schmuck- und Uhrenherstellung, so z.B. die Entwicklung des 3D-Drucks. Sehen Sie darin eine Gefährdung für die klassischen Berufe?

Nein, gar nicht. Viel mehr eröffnet dieser Wandel neue Möglichkeiten zu experimentieren und neue Wege zu finden, die vorher nicht da waren. Ganz klar, die Grundlagen des traditionellen Handwerks müssen vorerst beherrscht werden.  Nur dann können neue Technologien für den Beruf bereichernd sein. Daher setzen wir sehr viel wert darauf, die Balance zwischen dem klassischen und innovativen Handwerk in der Ausbildung zu halten.

Wie ist eigentlich die Entwicklung bei den Uhrmachern?

Derzeit sind Uhrmacher im Markt sehr gefragt. Uhrmacher fertigen nicht nur Armbanduhren an, sie erhalten bei uns eine umfassende Ausbildung und müssen auch die Herstellung und Wartung anderer Uhrenarten beherrschen, wie z.B. Kirchenuhren oder Großuhren. Auch eine mechanische Armbanduhr muss gewartet werden. Dafür braucht man Spezialisten, die handwerklich begabt sein müssen. Es gibt auch große Uhrenfirmen, die verstärkt Uhrmacher ausbilden.

Wie passen Sie die handwerklichen Berufe an den stetigen, technischen Wandel an? Haben Sie schon konkrete Ziele für die kommenden Jahre?

Unser oberstes Ziel ist es, die Balance zwischen Innovationen und Traditionen in der Ausbildung zu halten.  Dies können wir mit einer kompetenten Besetzung in der Lehrerschaft gewährleisten. Die Lehrer und Lehrerinnen an unserer Schule sind neben dem Lehrerberuf auch selbständig. Damit können sie die Ausbildung mit viel Erfahrung aus der Praxis bereichern.  Darüber hinaus legen wir viel Wert auf die Weiterbildung unserer Lehrer und Lehrerinnen.

Des Weiteren  müssen wir die Ausbildungsinhalte bestimmter Berufe überdenken. So haben wir z.B. den Ausbildungsplan der Graveure komplett neu überarbeitet. Dabei ist es uns wichtig mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, weil die doch viel Input geben können.

Und nicht zuletzt, wollen wir den internationalen Austausch fördern. Hierdurch möchten wir den Blick unserer Schüler erweitern  und uns mit internationale Trends und Ideen auseinandersetzen. . Wir haben bereits gute Kontakte zu Schulen aus Polen, Ungarn, Frankreich, aber auch Israel und Palästina. Nun müssen wir diesen weiter ausbauen.

Wie würden Sie das Interesse des jungen Nachwuchses beschreiben? Ist die Bewerber-Anzahl eher rückläufig oder steigend?

In den letzten Jahren ist die Bewerberanzahl konstant geblieben, durchschnittlichen haben wir auf einen Platz 1 bis 2 Bewerber. Ganz früher waren es sogar 4 Bewerber auf eine Stelle. Die Zahlen sind zwar rückläufiger, dafür werden die Bewerber internationaler. Rund 80% der Auszubildenden kommen vom außerhalb. Unter „außerhalb“ meine ich auch Länder wie Finnland oder Brasilien. Die restlichen 20% stammen aus Pforzheim und Umgebung. Früher war die Gewichtung der Herkunft umgekehrt.

Nächstes Jahr findet das große 250-jährige Jubiläum der Goldstadt Pforzheim statt. Welche Rolle spielt dieses Jubiläum für die Goldschmiede- und Uhrmacherschule?

Eine ganz große Rolle, weil es auch die Geschichte der Goldschmiedeschule ist. Wir haben zum Jubiläum viele Veranstaltungen geplant. Ein interessantes Projekt ist beispielsweise die Wettbewerbsausschreibung zum Schmuckstück als Souvenir aus Pforzheim. Hierbei arbeiten wir eng mit den Schmuckwelten zusammen. Jeder kann seine Ideen einreichen. Das Gewinner-Schmuckstück wird in Schmuckwelten ausgestellt und zum Verkauf produziert.  Ferner veranstalten wir im Dezember dieses Jahr eine „Jubiläums-Galerie“. Danach folgen weitere Ausstellungen.

Doch das 250-jährige Jubiläum unserer Goldschmiede- und Uhrmacherschule werden wir im darauffolgenden Jahr feiern. Da die Zeichenschule im September 1768 gegründet worden ist. Außerdem möchte ich ungern, dass unser Jubiläum bei den vielen Feierlichkeiten der Goldstadt untergeht. Im September 2018 soll die  große Feier in der Goldschmiede- und Uhrmacherschule stattfinden.

Man hört jetzt immer mehr vom Edelmetallgestalter und nicht vom Goldschmied. Glauben Sie den Goldschmied als Beruf wird es auch in 50 Jahren geben?

Ja, auf jeden Fall. Schmuck existiert bereits seit über 1.000 Jahren. Zu jeder Zeit hatten die Menschen das Bedürfnis, sich zu schmücken und ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen. Ein persönliches Schmuckstück von einem Goldschmied ist etwas ganz besonderes. Der technische Wandel ist eine Bereicherung für das klassische Handwerk. Er eröffnet neue Wege und Ansätze Schmuckstücke herzustellen. Daher bin ich mir sicher, dass der Beruf Goldschmied fortbestehen wird. Der Bedarf ist da und wird auch weiterhin bestehen. Unsere Aufgabe als Schule ist es nun, die handwerklichen Berufe weiterhin zu fördern und für jungen Nachwuchs interessant zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Kiefer. Um weitere Einblicke in die Goldschmiede- und Uhrmacherschule zu bekommen, werden wir mit Ihnen gerne in Kontakt bleiben und über die Neuigkeiten im Edelmetall Blog berichten, so z.B. über die Ausstellung der Abschlussjahrgängen im Juli.

Hier die wichtigsten Fakten zur Goldschmiede- und Uhrmacherschule.

Das Bildungsangebot der Goldschmiede- und Uhrmacherschule gliedert sich in vier Bereiche:

1.       Sämtliche Schmuckberufe mit den jeweiligen Sondertechniken
2.       Ausbildungsgänge im Bereich Schmuck- und Produktdesign
3.       Ausbildung zum Uhrmacher
4.       Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Galvanotechnik / Oberflächenbeschichtung

Darüber hinaus gibt es verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten wie die Fachschule für Gestaltung oder die Meisterschule für Goldschmiede.

Mehr Informationen zur Bewerbung und Anfragen erhalten Sie unter http://www.goldschmiedeschule.de/

Ihre
Olga Maslitschenko

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