250 Jahre Goldstadt Pforzheim – Interview mit Herrn Baral

Pforzheim feiert das große 250-Jahre-Goldstadt Jubiläum mit vielfältigen, kulturellen Veranstaltungen, Workshops, Ausstellungen und weiteren Aktivitäten. Das Ganze zu organisieren und unter einen Hut zu bringen, bedarf es an viel Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Wir hatten die Gelegenheit mit dem Hauptorganisator des Goldstadt-Jubiläums Herrn Baral über die Organisation des Jubiläums zu sprechen.

Herr Baral, was verbindet Sie persönlich mit der Stadt Pforzheim?

Ich bin ein Kind dieser Stadt – bin hier geboren und aufgewachsen. Mein Großvater hatte eine Schmuckfabrik, die leider im zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. In meiner Berufslaufbahn war ich viel international tätig, doch die Verbundenheit mit meiner Heimatstadt blieb stets bestehen.

Welche Bedeutung hat das Jubiläum für die Stadt?

In Pforzheim leben über 138 Nationen. Weniger als 25% aller Bürger haben hier eine Familienanbindung, die länger als zwei Generation bis dato reicht. Aktuell haben über 75% aller Lehrer an Pforzheimer Gymnasien keinen Bezug zu der Stadt. Das bedeutet, dass man den Menschen die Geschichte Pforzheims erzählen muss, damit sie sich mit der Stadt identifizieren können. Das Jubiläum wird ganz klar in erster Linie für die Bevölkerung veranstaltet.

Die heutige Situation ist vergleichbar mit der vor 250 Jahren, als der Marktgraf Karl Friedrich von Baden im Waisenhaus eine Uhren- und Schmuckwarenfabrik einrichtete und anschließend die erste Berufsschule der Welt, die Goldschmiede- und Uhrmacherschule, gründete. Damals hat man nach neuen Wegen gesucht, wie sich die Bevölkerung selbst versorgen kann und durch diese Maßnahme große Entwicklung veranlasst, die die Goldstadt bis heute prägen. Mit dem Jubiläum möchten wir die Chance nutzen diese Neufindung wieder zu veranlassen. Wir wollen die ganze Industrie, die Bevölkerung, die Schulen und Ausbildungsstätte heranziehen, um diesen Neufindungsprozess in den Gang zu bringen. Was daraus letztendlich entsteht, werden wir erst 2018 beurteilen können.

Inzwischen gibt es in Pforzheim einige erfolgreiche Unternehmen aus anderen Branchen wie z.B. dem Präzisionsbereich. Wie schwierig ist es heutzutage, Pforzheim als die Goldstadt zu positionieren?   

Als wir uns über die Planung des Jubiläums berieten, standen zwei Fragen im Fokus: „Wo kommen wir her? Wo sind wir?“ Und daraus ergibt sich die Antwort. Pforzheim hat als einzige Stadt weltweit diesen Anspruch auf den Namen der Goldstadt. Heute existieren hier die sogenannten „Hidden Champions“, die sehr erfolgreich in ihrer Branche agieren, wie bspw. Stöber in der Antriebstechnik oder Kramski in der Stanztechnik. Es gibt also auch weitere Industrien neben der Schmuckbranche. Doch trifft die Bezeichnung Goldstadt auf Pforzheim völlig zu. Denn Gold steht nicht nur für Schmuck, sondern auch für den Erfolg: Nur die Spitzenreiter erhalten auch eine Goldmedaille.

Wir waren sehr überrascht, wie viele Partner wir für das Jubiläum gewinnen konnten. Über 50 Partner haben wir bereits, mit denen wir nachhaltig kooperieren können. Wir freuen uns, dass unter anderem auch C.HAFNER das Jubiläum als Silbersponsor unterstützt. Rund 2,3 Millionen Euro kommen aus privaten und 2,2 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern. Darüber hinaus sind die Unternehmen sehr gute Informationsvermittler. Sie nehmen die Inhalte auf und verbreiten diese, sodass das Jubiläum sehr gute Multiplikatoren damit gewinnt.

Wann haben Sie mit der Planung angefangen? Und wann ist für Sie das Jubiläum abgeschlossen?

Es gab drei Phasen. Die erste begann vor etwa acht Jahren, als wir mit dem Oberbürgermeister über die Durchführung des Jubiläums berieten. Fünf Jahre später fing ich neben meiner Haupttätigkeit im Kulturhaus Osterfeld mit der Planung von Event für ein Jubiläum an. Seit 01.10.2016 widme ich mich nun voll und ganz dem Projekt und dem Jubiläum in seine Breite.

Zu Ende ist das Projekt für mich, wenn die letzte Veranstaltung im Dezember 2017 stattfindet und anschließend die Abschlussberichte geschrieben sind. Doch ganz abschließen werde ich das Jubiläum nicht, denn ich habe bereits die Ornamenta II im Jahr 2022 in Blick.

Welche Produkte sind zum Jubiläum geplant?

Das ist das Besondere an unserem Jubiläum. Wir verzichten bewusst darauf massenweises Merchandising zu vertreiben. Unternehmen bringen ihre Ideen ein, produzieren und vertreiben diese selbst. So bringt Wellendorf ihre eigene Kollektion zum Jubiläum im Januar 2017 heraus, von Chopard wird es einen Jubiläumsring geben, Juwelier Leicht wir eine Kollektion erstellen, Opel bewirb den Golden Adam, C.HAFNER produziert Jubiläumsgoldbarren usw. Es bleibt also spannend was noch alles kommt.

Die Liste mit den Veranstaltungen ist sehr lang. Haben Sie ein paar persönliche Highlights, die Sie auf keinen Fall verpassen wollen?

Wir haben derzeit über 230 Programmpunkte und es kommen noch neue dazu. Daher will ich keine Veranstaltung besonders hervorheben. Die Auswahl ist so groß, dass für alle etwas dabei ist, von Theaterinszenierungen auf der Straße, einem Open- Air Wochenende über vielfältigen Ausstellungen bis hin zu goldlackierten 250 kg schweren Steinen, ausgelegt vom Theater zum Waisenhausplatz bis in die Enz. Ferner wird es auch nicht-öffentliche Veranstaltungen geben, die die Unternehmen für ihre Kunden veranstalten werden. Es sind 12 Kongresse geplant, eines beispielsweise von der IHK zum Thema Innovation.

Das Programm ist sehr vielfältig ist – alle künstlerischen Sparten sind vertreten. Der beste Weg ist, sich vorab zu informieren, entweder über unsere Flyer und Magazine, oder auf der Website www.goldstadt250.de – oder Facebook. Hier veröffentlichen wir stets aktuelle Neuigkeiten und Veranstaltungen.

Auch suchen wir Volunteers, die ehrenamtlich bei der Organisation mitwirken wollen. Wer Interesse hat, kann sich gerne über unsere Website dafür anmelden.

Herr Baral, wir bedanken uns für das informative Gespräch. Das 250 Jahre Goldstadt Pforzheim ist ein bedeutendes Ereignis, das wir im Edelmetall Blog mitverfolgen werden. Über bestimmte Veranstaltungen sind bereits Blogbeitrage geplant. Daher sind wir sehr erfreut, dass wir mit diesem Interview einen Startpunkt setzen konnten. Vielen Dank!

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.